unterwegs in Mitteldeutschland- Thüringen und Harz, Mai bis Juni 2018

Sa 05.05.2018

Fahrt nach Dresden

Ich hatte es eilig und startete sehr früh. Wir hatten einen Todesfall in der Familie. Heute um 11 Uhr war die letzte Möglichkeit, ihn zu sehen.

Aber leider nicht lebend. Einerseits erschreckte mich dieser unerwartete Tod, andererseits fühlte ich so etwas wie Erlösung für ihn und seine Eltern.

Um 11 Uhr allerdings stand ich im Stau, um 12 ebenfalls noch, ich war wütend und unsagbar traurig.

Doch ich durfte noch zu ihm. Ich war allein mit ihm, offen im Sarg.

Ich sprach ich mit ihm, erzählte von meinen Erinnerungen an Familientreffen und gemeinsame Spiele, an seine Freude und sein Lachen.

Es war für mich eine friedvolle Begegnung und ein guter Abschied.

(PS: ich habe lange überlegt, ob ich diesen Passus drin lassen soll, aber ich habe mich dafür entschieden. Ich bin der Meinung, daß wir viel zu oft den Tod aus unserm Leben ausschließen, obwohl er immer mit dazu gehört.. Ich ehre den Menschen, in dem ich mich an ihn erinnere und ihn damit nicht vergesse!)

 

Andere schmerzhafte Abschiede hatte ich schon viele erlebt, jedoch von Lebenden, wenn die Lebenswege sich trennten. Dieser hier war endgültig.

Es tat gut, inmitten der lieben großen Verwandschaft zu sein und fuhr danach in die Stadt, zu meinen Eltern.

 

Vor 4 Wochen hatte ich mit Mutti bei einem Spaziergang einen schönen Stellplatz für`s WoMo an der Elbe, hinter dem Zirkusplatz ausgeguckt. In ihrem Hof kann ich nicht mehr parken mit meinem Gefährt. Dort angekommen, stellte ich fest, ich bin nicht alleine hier. Eine kleine WoMo-Siedlung, Fahrräder, Campingmöbel und kaffeetrinkende entspannte Menschen, ein idyllisches Bild im Sonnenschein nahe des historischen Zentrums. Ab sofort gehörte ich dazu.

Am Abend tranken wir im Familienkreis ein Glas Wein mit dem Trinkspruch „Auf das Leben“.

Eine ruhige warme Nacht erwartete mich im WoMo an der Elbe.

Sonntag, 06.05. und Montag, 07.05.2018

 Ich genieße es, bei den Eltern (86+85 Jahre alt) zu sein, sie sind so rührend bemüht, es schön zu machen, etwas Gutes anzubieten und genießen die Unterhaltung. Vati nutzt wieder die Gelegenheit, von seinem derzeitigen Schreibthema zu erzählen, wie fast immer handelt es sich um eine Recherche zu Geschehnissen in den 1930/40er Jahren. In einem Buch des Seniorenvereins sind auch Geschichten von ihm drin. Mit ihm beratschlage ich ein paar praktische Einbauten in mein neues rollendes Zuhause. Mutti kocht emsig und ihr Rücken neigt sich bedenklich nach rechts je mehr sie tut. Für eine Einkaufsfahrt hieve ich sie unterstützend auf den Beifahrersitz, da thront sie oben und freut sich über den tollen Überblick.


Start nach Chemnitz

Am Nachmittag brach ich auf Richtung Chemnitz, wieder voll Dankbarkeit über die gute Zeit bei meinen Eltern. An der Kriebsteiner Talsperre wollte ich einen Platz am Wasser finden. Denkste, für eine Suche war es schon zu spät.

Das Auto lenkte sich dann fast von selbst durch die schmalen Regional-Straßen und beim Dörfchen Beerwalde landete ich auf einem Feldweg, rückwärts einrangiert mit Blick auf die leuchtende Weite der Landschaft und das Dorf.

 

Ich verstehe ja, daß es einem Dorfbewohner sehr merkwürdig vorkommt, wer sich da auf dem Feld in 1 km Entfernung niederläßt. Da muß er doch wirklich mit seinem Auto auf halbem Wege zwischen Dorf und mir stehen bleiben und mir ewig lange durch`s Fernglas zugucken. Als ich beim Spaziergang ins Dorf an seinem Auto vorbeigehe, schaut er sehr konzentriert mit dem Fernglas durch sein Seitenfenster auf die Felder. Was es da wohl in so unbequemer Stellung zu gucken gab?

Im Dorf erfahre ich noch Geschichtliches: hier existierte im 12./13. Jh eine Wasserburg, ein Waal mit kreisrundem Wassergraben, einem künstlichen Hügel in der Mitte, auf den ein Fachwerkturm gebaut wurde. Graben und Hügel existieren noch. Leider wurde diese Burg nach zwei Bränden nicht wieder aufgebaut, sondern die Besitzer zogen dann in die aus Steinen erbaute Burg Kriebstein in Kriebethal.

Auf dem Rückweg vom Dorf war mein Beobachter weg, er hatte mich wohl als ungefährlich eingestuft.

Eine phantastische ruhige Sternennacht!

Dienstag, 08.05.2018

Und wieder ein wunderbar sonniger Morgen, blauer Himmel und Frühstück mit leichtem Sommerwind.

Danach krabbelte ich unter mein Bett, zog alle Kisten aus dem Stauraum hervor und räumte die restlichen Sachen in die noch freien Regale.

Mittags war Ordnung geschaffen. Es lockte mich zu einer faulen Pause, in der Sonne liegend, aber ich brach auf. Nicht weit, denn in Altmittweida fand ich ein Dänisches Bettenlager.... man kann ja mal bissl bummeln und gucken.

Bissl...... wurde lange und nach vielem Überlegen, Abwägen, Ausmessen und 3maligem Zurückkehren ins Geschäft hatte ich neben Bettlaken und Tischdeckchen viele kleine Kistchen erstanden, in denen die verstreuten Inhalte der größeren Fächer im WoMo ein neues Zuhause fanden. Nix mit Baden und Sonnen, wenn mich schon mal der Arbeitseifer packt. Und der Clou, ich wurde weitervermittelt an das gleiche dänische Lager in Chemnitz, denn dort gab es noch das von mir gewünschte fehlende Kästchen. Ich dachte an ein fehlendes.

Also auf nach Chemnitz, ist ja nicht weit und gegen 17 Uhr erwarb ich dort - auch wieder nach 2mal Probieren und Anpassen - vier weitere Kistchen. Somit sind alle freien Lagerflächen bestückt, nix kann verruckeln und die noch fehlenden Inhalte lassen sich mit der Zeit auch noch finden......

 

Nun war allerdings der heisse Tag fast vorüber, es lohnte nicht, noch irgendwohin in`s Ungewisse zu fahren, ich war hungrig und durstig. Endlich erreichte ich auch Gunter und Moni, meine Chemnitzer Freunde telefonisch, und nach etwas smalltalk brach ich auf nach Lichtenwalde in deren Garten. Wieder einmal zeigte es sich, daß die Wege, wenn man sich ein wenig verfährt und ob der Länge des Fahrzeugs nicht mehr wenden kann oder mag, immer abenteuerlich eng und steil werden. Doch mit Bravour meistert das WoMo auch 25% Steigung. Uff.

Nach einem schönen Abendbrot im Garten radelten wir auf der Suche nach einem nächtlichen Standplatz für mich zum Flüsschen Zschopau, mit Abstecher zum Schloß und in den wunderschönen Schloßpark Lichtenwalde. Sehr beeindruckt bedauerte ich, kein Fotohandy dabei zu haben.

Mittwoch, 09.05.2018

Meine heutige Fahrt nach dem gemütlich langen Frühstück mit Gunter im Garten stoppte schon wieder hinter Chemnitz in Rabenstein. Am Stausee wollte ich gerne baden und mich in der Sonne aalen. An Rabenstein habe ich lange zurückliegende gute Erinnerungen, meine Chemnitzer Firma hatte damals Bungalows dort. Wir urlaubten einigemale und die Schulanfänge der Kinder wurden dort gefeiert. Jetzt ist es ein riesiges Badegelände, es kostet Eintritt plus Parkgebühr und fast niemand war da, nicht mal Sonne. Aber ich war tapfer, geplant ist realisiert, also lag ich 2 Std fröstelnd lesend auf der Decke und irgendwann wagte ich mich auch ins Wasser. Sooo kalt war es gar nicht. Auch die Kaulquappen fühlten sich zu Tausenden wohl.

...und nun nach Thüringen

Ganz in der Nähe von meiner Schwester in Thüringen hatte ich einen Hof im alternativen Wohnmobilwegweiser „Landvergnügen“ gefunden. Auf landwirtschaftlichen Höfen dieses Katalogs kann man ohne Komfort kostenlos einmal übernachten. Diese Art von Unterkunft möchte ich öfter ausprobieren und somit neue Höfe mit ihren Konzepten kennenlernen. Das wird spannend und bringt mich immer wieder zu interessanten Menschen.

 

Bei Crossen, Nähe Bad Köstritz ging es rauf auf eine Hochebene und ich erreichte gegen 17 Uhr den Hof der Agrargenossenschaft Etzdorf. Ein sehr schöner Vierseithof mit Fachwerk, ein Hotel, eine Schenke ( Gastwirtschaft), Hofladen, Metzgerei und separater Fleischwarenverkauf, sowie eine große Reitanlage. Dazu gehören Schweineställe, auswärts Rinderhaltung, Biogasanlage und Felder mit Raps und Backgetreide. Bio sind sie nicht, aber gentechnikfrei. Hervorgegangen ist die Genossenschaft aus der ehemaligen LPG und es scheint ihr gut zu gehen. Den Fliegen allerdings auch!

Somit bekam meine elektrische Fliegenklatsche ihre Erstbewährung.

Dank Schnitzel mit Spargel in der Schenke habe ich mir das Kochen gespart.

Sehr gefallen haben mir die Lehr- und Informationstafeln zu Themen der Landwirtschaft, sehr gut aufbereitet, für Kinder auch drehbare Würfel mit Fragen und Antworten, die auch mancher Erwachsene vielleicht nicht weiß.

Da ich gerade wohnungslos bin und automatisch Angebote scanne, hat mich eine Anzeige wegen des Mietpreises sehr angesprochen, siehe Foto.

Donnerstag, 10.05.2018 Himmelfahrt

Am herrlich sonnigen Morgen entschied ich mich angesichts der Fliegenschar, mein Glück mit einem schönen Frühstücksplatz etwas weiter weg zu suchen.

Das fand ich auch ganz in der Nähe, ein Feldweg führte zu einer großen Hecke und das wurde mit herrlichem Rundumblick von der Hochebene inmitten der Felder ein wunderbarer Platz für mich.

Nach dem Frühstück entschloss ich mich, das Brennnesselgemüse noch vorzubereiten. Mit Karotten, Zwiebeln und Gewürzen verfeinert, plus zum Andicken eine Tüte Tassensuppenpulver ( aus Finnland vom letzten Jahr). Kreativität lohnt sich und draußen schmeckt eh alles super, ich war sehr satt gefuttert.

Währenddessen kamen an meinem doch sehr abgelegenen Standplatz 2x Menschen vorbei, auf der Suche nach einem Geocaching - Schatz, der ganz in der Nähe sein sollte.

Während der Vater durch die Brennnesseln den Hang hinabstieg, mit dem Handy auf Suche nach dem richtigen GPS-Punkt, erklärten mir Mutter und Sohn die Sache mit dem Geocaching. Der gefundene Schatz bleibt an Ort und Stelle, es geht nur um`s Suchen und Finden, nicht um`s Haben. Das klingt gut. Nach `ner halben Stunde tauchte Vater aus den Brennnesseln wieder auf, er hatte den Schatz gefunden: in einem verrosteten uralten LKW W50. Nur lag darin auch ein Nest mit Vogeleiern, deshalb hatte er den Schatz nicht rausgezogen.

 

Ich packte zusammen und fuhr nach Tautenhain im Saale-Holzlandkreis zu meiner Schwester. An der Gaststätte Kanone war noch viel Getümmel zum Männertag, der wird hier noch richtig gefeiert. Kremserkutschen und feuchtfröhliche „Wanderer“ kamen im mühsamen Schlingerkurs aus dem Mühltal zurück. Seitdem Napoleons Truppen 1806 hier eine Kanone zurückließen, heißt die Gaststätte so.

Freitag, den 11.05.2018

Heute habe ich die technischen Fähigkeiten meiner Schwester Reni in Anspruch genommen. Im Baumarkt stöberten wir nach Teilen für meine vielen kleinen Projekte, die ich auf zwei Schmierzetteln notiert hatte. So u.a.: Feuerlöscher und Feuerlöschdecke befestigen, eine Stange für die Kleiderbügel anbringen, einen Windschutz für den Kocher so befestigen, daß er nicht davonfliegt, ein kleines Gewürzregal in die Nische der Küche bauen und Sortierebenen für die vielen kleinen Tuben im Badregal einbauen, .....

Die Suche und Diskussion der Teile hat uns 2 Std intensiv beschäftigt, wir vergaßen Essen und Trinken und kamen halb 4 erst wieder zurück. Dann ging`s just zum Geburtstags-Kaffee bei meiner Freundin Ute aus Herrmannsdorf, aber wir trafen sie und ihre Familie gleich um`s Eck, im Cafe in Caaschwitz, von da stammt sie. Ja, so eine Freude.

 

Samstag, 12.05.2018

Auch heute wurde es nach Morgenkühle wieder ein sonniger warmer Tag.

Nach dem Frühstück suchte Reni alle ihre Werkzeuge herzu und dann ging es an`s Werk am Wohnmobil. Wir maßen und sägten, zeichneten an und bohrten, es dauerte schließlich eine gefühlte Ewigkeit, und nachdem der Bohrer abgebrochen war, mußten wir unsere Nerven erstmal beim Kaffeetrinken erholen. Wolfgang, normal eine Seele von Mensch wurde indessen immer hungriger und ungeduldiger, da er ja mit dem Essen auf uns wartete und wartete. Als dann auch noch die Würstl anbrannten, war es mit seiner Laune endgültig vorbei. Ohne Worte rauschte er an uns vorbei, uns`re frohen und stolzen Mienen gefroren. Ja, nun war es unsere Aufgabe, ihn wieder zu Laune zu bringen. Es gelang!

 

Und danach war es eine gemütliche Stunde im Garten. Bei Wein, Pralinen und am Laptop klang der Abend aus.

Sonntag, den 13.05.2018

Reni, ihre Freundin und ich starteten für drei Tage in den Thüringer Wald nach Zella-Mehlis. Renate hatte für zwei ein Hotel gebucht, ich wollte im WoMo bleiben. Und wieder ist herrliches Wetter.

Das kleine Hotel Waldmühle, im Lubenbachtal, wurde als ehemaliges DDR-Betriebsferienheim sehr schön umgebaut. Zum Muttertag war ziemlich viel Betrieb. Für`s WoMo fand ich einen schönen Fleck auf dem Parkplatz am Bach. Unser erster Erkundungsspaziergang führte durch herrlichen Wald bergauf und wir kamen an der Oberhofer Sprungschanzenanlage heraus. 

Unterwegs allerdings mußten wir halt machen in einem historischen technischen Denkmal und Museum: der Hammer- oder Gesenkschmiede im Lubenbachtal. Ehemals ein mit Wasserkraft betriebenes Sägewerk wurde es ab 1918 zu einer Gesenkschmiede umgebaut und genutzt. Hier kann man die ältesten Brettfall-Hämmer Deutschlands mit bis zu 16 t Eigengewicht bestaunen. Mit enormem Lärm und Wucht „stürzt“ der Hammer aus 4 m Höhe auf das zu verformende Werkstück. (das Foto ist aus der website). Auch Schmiedefeuer, viele andere historische Maschinen und eine Reihe von Fertigprodukten aus Metall wie z.B. Werkzeuge, Türriegel, Spaten usw., damals alle handwerklich gefertigt, konnte man bewundern. Ein sehr aktiver Verein gibt fachkundige Auskünfte.

Montag, den 14.05.2018

Heute wollten wir eine größere Wanderung unternehmen, die wurde es auch und wir waren am Abend alle drei entsprechend fußlahm. Aber herrlich war es.

Zunächst das Lubenbachtal hinter bis zum Oberhofer Bahnhof, der aber 3 km außerhalb vom Ort liegt. Dann ging es langsam bergauf Richtung Rennsteig, denn auf dem wollten wir ja heute wandern. Der Rennsteig ist mit einem großen R auf hölzernen Wegweisern gekennzeichnet.

 

Mit 872 m erreichten wir den höchsten Punkt des Rennsteiges und genossen danach eine tolle Aussicht auf die Thüringer Berge ringsum. Nachdem wir wieder zurück bis zum Rastpunkt Suhler Ausspanne mußten, verlief unser Weg auf dem Rennsteig weiter nach Osten bis zum Oberhofer Rennsteiggarten. Dies ist eine wunderschöne Anlage von Gebirgspflanzen aus aller Welt, auf Felsen, im Wald , auf sauren oder kalkhaltigen Böden.

Auch über die Köhlertradition im Thüringer Wald gab es eine Information.

Unser Rückweg führte dann steil bergab und vom Bhf. Oberhof bis zum Hotel zurück auf dem bekannten 3 km-Hatscherweg. Das Abendbrot kochte ich im WoMo, gemütlich saßen wir am Bach.

Ein Wanderer, den wir trafen, hat mein Interesse an einer kompletten Rennsteigwanderung angefacht, das hatte ich ja schon mal vor Jahren ins Auge gefasst. Vielleicht im Herbst? Kommt Jemand mit?

 

Am späten Abend erholten wir uns in Sauna, Whirlpool und einem eiskalten Kneipp-Tretbecken. Stellt euch das Liegen im blubbernden Whirlpool vor und dazu Sterne am Nachthimmel in einem wunderschön beleuchteten Garten.

Dienstag, den 15.05.2018

Heute ist das Wetter nicht so stabil gemeldet. Vormittags spazierten wir in die Stadt Zella-Mehlis, 1919 aus zwei Orten vereinigt , doch es gab nur zwei highlights zu entdecken:

1.das riesige Rathaus, momentan sind die Außenanlagen im Umbau, ein modernistischer Bau von 1925, was viel zu groß erscheint für eine Kleinstadt, daneben ebenso riesig, eine Post und ein Gebäude für die Krankenversicherung. Damals hatte die Stadt einen Protz-Bürgermeister und wohl viel Geld.

Und 2. ein Cafe mit Windbeuteln und Sahne-Eclair, ooohhh, nur gut, daß wir dies nicht übersehen haben.

Typisch für die Gegend sind Schindeln aus grauem Schiefer als Wandverkleidung oder Dachabdeckung.

 

Am Nachmittag besuchten wir Kloster Veßra. Das ehemalige Kloster ist vom 12. Jh, leider steht nur noch eine Ruine der ehemals riesengroßen Klosterkirche. Dafür jedoch wurden bereits Mitte/Ende der 1980er Jahre alte Bauernhäuser der Umgebung abgetragen und im Klostergelände neu wieder aufgebaut. So ist ein großes Freilichtmuseum entstanden mit Bauerngehöften, Kirche, Brauerei, Backhaus, Mühle, alles in Fachwerktechnik gebaut. Das war sehr interessant.

Gleich um`s Eck im Gasthaus „Goldener Löwe“ ließen wir uns zum Essen nieder und waren schon irritiert wegen der Musik, einem Verkaufsraum schwarzer T-Shirts und der Deko mit kämpferischer Kriegsthematik. Das einfache Essen schmeckte uns mit mulmigen Gefühlen und unsere nachträgliche Recherche ergab , daß der zwar zu uns freundliche Inhaber ein bekannter NPD-Führer ist.

Darf man nun in solch einem Etablissement essen gehen, wenn man die politische Haltung ablehnt? fragten wir uns.

Ein „Goldener Löwe“ im Dorf - der Wolf im Schafspelz!

In Suhl wurde in der „KulturBaustelle“, einem feinen kleinen Klub, der DEFA-Film von 1963 „Karbid und Sauerampfer“ mit dem sehr jungen Manfred Krug gezeigt. Das war ein ernsthaft - lustiger Film über die Beschaffung von Karbid zum Schweißen für die Zigarettenfabrik in Dresden 1945.

 

Wettertechnisch wurde es nun kühl, regnerisch und ungemütlich. Gute Nacht nun und morgen endet unser Dreier-Aufenthalt hier schon wieder.

Am liebsten würde ich Thüringen noch ein wenig länger erkunden. Mal sehen, was ich unternehme ab morgen.

Gute Nacht, ich kuschel mich ein.

Mittwoch, den 16.05.2018

Das Frühstück im Hotel war sehr üppig, 12,50 € als Gastesser hab ich versucht, abzuessen. Dann sogar noch eine Dusche im Zimmer bei Reni und Kerstin, ich war gerüstet für die nächsten Tage.

Unser letzter Ausflug führte nach Oberhof und nach Besichtigung des architektonisch- markanten Panorama-Hotels aus FDGB-DDR-Zeiten begaben wir uns auf eine Wanderung entlang historischer Sportstätten. Wir spazierten in der Spur der alten Bob- und Rodelbahn, die in natürlichem Gelände mit Natureis angelegt worden war. Dort fanden von ca. 1915 bis ca. 1960 Meisterschaften statt, es gab damals sogar 5er Bobs. Unterwegs lasen wir immer wieder Tafeln mit Beschreibungen und Fotos der damaligen Zeit. Zu Beginn erfolgte die Zeitmessung mit Stoppuhr und Telefon, später in den 50er Jahren per Funk, immerhin auf 1/1000 genau. Es gab viele Unfälle durch Stürze und nach einem dreifachen Todesunfall wurde die Bahn endgültig geschlossen. Nach unserem „Zieleinlauf“ der alten Bahn marschierten wir die Alte Ohrdrufer Straße wieder aufwärts, die hatte an den Seiten Holzplanken und - wie ich vermutete, wirklich- oben war ein Startpodest für`s Rollschlittentraining der Jugend.

Weitaus technischer und monumentaler ging es da schon auf der richtigen, modernen Rodelbahn Oberhof zu, an deren Stahl-Röhren und Kurven wir neugierig aufwärts marschierten.

Eine kalorienreiche Pause mit Roulade und Knödel leisteten wir uns im Oberen Schweizerhaus, einem urigen Restaurant mit spannender Geschichte. Zunächst waren es Jagdpächter des Grafen, die sich nebenbei Kühe hielten und deshalb Schweizer genannt wurden. Später wurde hier die Straßenverbindung zwischen München und Berlin über den Thüringer Wald gebaut und die Pächter an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern wurden Maut-Eintreiber, man nannte es „Chausseegeld“. Seit das Schweizerhaus Schankrecht erhielt, konnte es als Gaststätte florieren.

 

Auf der Rückfahrt von Oberhof nach Zella-Mehlis lud ich die Mädels zu Windbeutel mit Eis und enorm viel Sahne ein.

Donnerstag, den 17.05.2018

Heute morgen war es noch sehr feucht und kühl und ich bin nun allein unterwegs.

Ein Ziel für heute war das Vessertal (Unesco-Biosphärenschutzgebiet). Nie hätte ich gedacht, daß es im Thüringer Wald solche Steigungen und Serpentinen gibt.

Überall sind Schilder für die Sperrung des Ortes Schmiedefeld am 26.05. wegen dem Guths-Muts-Rennsteiglauf. Eine riesige Veranstaltung mit Tausenden Teilnehmern, der größte Crosslauf in Europa, hab ich gelesen.

Gelandet bin ich dann schließlich im kleinen Ort Allzunah. Allzunah war ab 1913 Bahnstation der Kleinbahnstrecke zwischen Bhf Rennsteig und Frauenwald, vor allem aus wirtschaftlicher Sicht notwendig.

 

Von dort hab ich mich auf Wanderschaft begeben, natürlich auf dem Rennsteig bis nach Neustadt.

Höhepunkte für mich waren die vielen alten Grenzsteine mit Wappen und Zeichen der Grenzmarkierungen der Fürstentümer, z.T. noch mit Jahreszahlen darauf. Der Wald ist herrlich, alles duftet frisch und gesund. Unterwegs gibt es häufig Rasthütten und alles ist super ausgeschildert und mit km-Angaben versehen. Man braucht gar keine Wanderkarte.

In Neustadt hat mir eine Bedienung bei Eiskaffee alle Ausflugstipps der Gegend erzählt.

Sicher gibt es auch interessante Museen, aber ein Bratwurst-Museum, das Klöße-Museum, das Gewürzmuseum oder das Bunkermuseum ( aus DDR-Zeiten)... u.ä. spare ich mir. Kein Bedarf an dieser Art thüringischer Volkskunde.

Mein Eß- und Nachtplatz am Waldrand im letzten Abendsonnenlicht war schon sehr besonders.

Ich hoffe auf eine gute Nacht.

Freitag, den 18.05.2018

Morgens war es kalt und neblig. Ich kuschelte mich nochmal ein. Mein heutiges Ziel war Meiningen, die Theaterstadt. Die Fahrtstrecken sind nie lang, jedoch der Nachteil ist, die Zeit genügt nie, um mein Handy bzw. Powerpack komplett am 12 V-Stecker aufzuladen.

Den ganzen Nachmittag bummelte ich durch die Stadt, am Marktplatz eine riesige evangelische Kirche „Unserer lieben Frauen“ und ich bewunderte die vielen gut restaurierten Fachwerkhäuser. Durch einen sehr schönen Park gelangt man direkt von der Fußgängermeile zum Theater. Das Meininger Theater ist berühmt. Ein prächtiger Bau mit riesigen Säulen davor, fast so wie in München. Für solch eine kleine Stadt ist das schon bemerkenswert. Die Theatertradition ist alt und berühmte Schauspieler, Regisseure usw. waren in früheren Jahrhunderten schon in Meiningen. In solch einer Stadt müßte man eigentlich in`s Theater gehen......

Und welch ein Glück, ich bekam noch eine Theaterkarte für den Abend, sogar eine Premiere: „Dantons Tod“ von Georg Büchner. Es handelt zur Zeit der französichen Revolution um 1796 und ist in vielem noch heute aktuell. Den Einstieg in`s Stück brachte der immer lauter wiederholte Slogan „Wir sind das Volk“- Rückerinnerung mit Gänsehaut an die Wende in der DDR.

Bemerkenswert fand ich die Analyse des erst 23-jährigen Büchner, daß das auch neue Gesellschaftssystem in eine radikale Gewaltwelle geriet. Nach der Monarchie schlug die Wut der „Revolutionäre“ (das Volk?) in ein zügelloses Morden um. Die Gesellschaft war (noch) nicht in der Lage, sich demokratisch zu organisieren.

Es ging auch im neuen System um Macht und die Vernichtung der (vermeintlichen) Gegner, dem fielen auch viele Unschuldige zum Opfer.

 

Parallelen gb es später immer wieder, so z.B. während des Stalin-Regimes.

Die Theaterhandlung hatte mich ziemlich angespannt und angestrengt, ich fühlte mich mitten in der Handlung und ohnmächtig.

In der Nacht auf dem Heimweg vom Theater war die Stadt total leer, die Schritte hallten auf dem Marktplatz vor der Kirche.

Samstag, den 19.05.2018

Die Nacht verbrachte ich auf einem Stadt-WoMo-Stellplatz. Gegen 6 Uhr, beim ersten Blinzeln, fiel mir ein Blinken aller Lampen am Kühlschrank auf. Was war das denn? Ob die Gasflasche leer ist? Und das erzeugt dieses Leuchtfeuer? -Die Gasflasche war wirklich leer!

Ohh, kalt war es, nur ja nicht bewegen und einen kalten Hauch unter die Bettdecke lassen. Halb 8 stand ich dann bibbernd auf.

In der Früh bekomme ich hoffentlich ausreichend Platz zum Parken am Baumarkt, bevor alle Heimwerker unterweg sind.

Also kein Frühstück, ich kann ja eh kein Kaffeewasser kochen.

Der Ablauf vor dem Baumarkt war reif für die Thaterbühne, es zog sich in die Länge.

 

Und zwar so: Zunächst muß ich Fahrrad und den Radträger abbauen. Hab ich einfach nebens Auto gelegt, wird schon keiner mitnehmen. Dann das Fach mit den Gasflaschen leer räumen, da ich dort ja vieles reingestopft habe. Die Gurte der Flaschenarretierung lösen und dann, ja dann kam das befürchtete Aus. Ich bekam die Verschraubung der Gasflasche nicht auf. Die war zu heftig angezogen. Ich guckte mir einen einfahrenden Autofahrer mittleren Alters aus und bat ihn, mir zu helfen und der Verschraubung zuleibe zu rücken. Aber auch er schaffte es nicht, gab mir aber den guten Rat, es mit einer Wasserpumpenzange zu versuchen.

Gut gesagt, ich hab keine mit, also alles wieder einräumen, Auto verschließen und im Baumarkt besagte Zange kaufen.

Damit war es dann tatsächlich ein Klacks und ich konnte die leere Flasche auf den Transportwagen hieven. Der Tausch der 11 kg- Flasche war dann auch bald geschafft, nachdem sich endlich ein Verkäufer Zeit nahm.

Nun noch den Einbau der vollen Flasche: hoch gehievt, ist ja schwer, arretiert mit den Gurten, Gasleitung verschraubt und fest gezogen mit der Zange, die Reserve- 5kg-Flasche, Kabelrolle und restliche Utensilien dazugepackt, Türe zu. Uff. Zuletzt wieder den Fahrradträger und das Rad drauf montiert. Kaum waren 1,5 Std vorbei, ich ziemlich hungrig und durstig, war es geschafft. Die Funktionsprobe war in Ordnung.

Mein heutiges Ziel war Schmalkalden.

Das kleine Städtchen war wirklich den Weg wert. Solch eine große Anzahl an schön restaurierten und farbig gestalteten Fachwerkhäusern. Und die große St.Georgs-Kirche war ebenfalls sehenswert. Groß ist es nicht, das mittelalterliche Stadtzentrum, aber sehr besonders!

Auch ein Schloß gibt es natürlich und das Museum wirbt mit einer Ausstellung über den Schmalkaldischen Bund. Dies war 1531 ein Bündnis protestantischer Fürsten gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V. Militärisch wurde der Bund 15 Jahre später geschlagen. Der Protestantismus war aber schon zu weit verankert , dies führte zum Augsburger Religionsfrieden, in dem die freie Religionsausübung verankert wurde.

 

Für den Weiterweg entschied ich mich zu einem Abstecher ins Sole-Heilbad Bad Salzungen. Eine teure Sole-Therme, für einen Gang an der Saline muß man bezahlen, auf einem kostenpflichtigen WoMo-Platz stehen alle in einer Reihe wie die Heringe. Uff, da will ich nicht hin. Einzig der Park war schön.

Etwas enttäuscht von diesem Ort fuhr ich weg. Da will ich doch lieber wieder in den Höhenlagen des Thüringer Waldes nächtigen und fuhr Richtung Brotterode. Ho, da ging es serpentinig und eng einige km durch dichten Wald. Kurz vor dem Ort führte ein Weg durch die Wiesen auf einen Hügel. Auch wenn ich fast unter einem Strommast stand, der Platz war eben, es war herrliche Sicht zum Ort hinunter und am gegenüberliegenden Berg sind mehrere Schanzen zu sehen. Um mich herum viele offene Wiesen und Wald und die letzte Abendsonne.

PfingstSonntag, den 20.05.2018

Der Wind pfeift hier auf der Höhe über Brotterode mächtig. Trotzdem, warm eingepackt, frühstücke ich draußen.

Währenddessen marschieren schon Menschen hier vorbei, zur Pfingstwanderung. Erst später, als ich ebenfalls starte, merke ich am ersten Wegweiser, daß dies der Weg zum Großen Inselsberg ist, mit 916 m der zweithöchste Berg Thüringens. Es geht zwar durch den Wald immer bergan, aber mehr als 300m Höhenmeter kann ich nicht gegangen sein. Also ist der Berg, an dem ich gegenüber die Sprungschanzen sehe, nicht der Inselsberg, aber die große Schanze heißt so.

Im Wald war es noch schön ruhig, oben auf dem Gipfel wieder der pure Geschäftstourismus. 

Was an diesem Gipfel als Ausflugsziel gilt, ist mir schleierhaft, die Aussicht ist zwar schön, aber die trostlosen Gebäude ein Graus. Die meisten „Ausflügler“ sind mit dem Auto angefahren und nur die letzten 50 m zu Fuß aufgestiegen. Mir tönen Stimmen entgegen, wie “...damals zu DDR-Zeiten war der Parkplatz nicht so voll....“ und ein zweiter “... da hatte auch noch nicht jeder ein Auto...“.

Wie wahr! Und da war das Wandern noch eine Tugend und die Bewirtung am Gipfel, wenn überhaupt, sehr bescheiden.

 

Auf dem Rückweg bin ich bis nach Brotterode abgestiegen und bei der Suche nach einem Cafe im „Pfeffersäckchen“ gelandet. Meine Frage bei der Milchkaffee-Bestellung nach etwas Süßem, wurde kurz und knapp von der Bedienung entschieden: „ein LPG-Kuchen“. Aha!

Zwei ältere Damen am Nachbartisch klärten mich auf, was da sei, aber eine andere Wahl ließ mir die Bedienung eh nicht.

Dann kam der LPG-Kuchen: Rührteigboden, paar Erdbeeren drauf, darüber eine dicke Schicht Pudding und darauf eine Schicht Schokoguss. Warum es denn so hieße, konnte mir die jüngere Bedienung auch nicht erklären, eine LPG kannte sie wohl auch nicht mehr, nur daß dies typisch für die Gegend hier sei. Naja, einfach, schnell gemacht und schmeckt trotzdem, wahrscheinlich hatten die Bäuerinnen früher auch wenig Zeit und viele hungrige Mäuler.

 

Zurück an meinem aussichtsreichen WoMo-Standort wollte ich die Sonne noch im bequemen Stuhl genießen, aber der elend kalte Wind vertrieb mich nach drinnen.

Es war noch etwas Zeit zum Kartenstudium für die morgigge Route. Der Hainich würde mir gefallen, das dortige Naturschutzgebiet gehört zum Unesco-Erbe der Buchenurwälder.

Pfingst-Montag, der 21.05.2018

Am zweiten Morgen oberhalb von Brotterode wehte noch immer ein heftiger Wind. Von den vorüberwandernden Ausflüglern hat mich niemand angesprochen. Einzig ein kräutersammelnder Mann vom Ort war neugierig. Schön.

Den Hainich hab ich mir dann doch nicht ausgesucht als Tagesziel, sondern Friedrichroda. Daß ich dort aber gar nicht ankam, war einer Umleitung zu danken. Bei der Ortseinfahrt Ruhla nämlich sah ich links eine Schanzenanlage und war neugierig. So nah an der Straße, da kann man ja mal gucken. Es waren von der kleinsten Schülerschanze bis zur großen 60m-Schanze 4 Anlagen da. Ich stand am Anlauf und guckte, ob ich mich herunterwagen würde. Aus dem Gucken wurde eine Wanderung, über den Messerweg (weil hier früher geschmiedet wurde, eben auch Messer) und dann auf dem Rennsteig nochmal eine herrliche Strecke. Einen Bratwurst- (thüringisch: Roster-) Stand habe ich nicht ausgelassen.

An der Strecke lagen wieder sehr viel Windbruch-Bäume von einem Sturm im Februar.

Mit meiner Rennsteig-Karte gut ausgerüstet, fand ich sogar den Rückweg nach Ruhla.

 

Nach einem Kaffee im Auto startete ich zurück zu Reni und Wolfgang. Und wieder war ich auf der gleichen Umleitung, diesmal waren 2 ältere Wandersfrauen die Glücklichen. Vom Startpunkt des Rennsteigs in Hörschel waren sie schon 24 km unterwegs, ihr Tagesziel war weitere 7 km entfernt, das war zuviel für sie. Auch ein Quartier hatten sie nicht gebucht. Ich nahm sie bis Brotterode mit. Sehr unbedarft waren die beiden schon, aber sie haben sich auf den Weg gemacht, Respekt. Nur beim angebotenen 5 €-Schein mußte ich dann heftig protestieren. Müden Wanderern helfe ich, dafür will ich keine Bezahlung!

 

In der Dunkelheit hängten wir bei Reni mit Stirnlampen die Wäsche noch draußen auf, Wolfgang hatte Angst um seinen guten Ruf bei den Nachbarn.

Dienstag, der 22.05.2018

Den Tag verbrachten wir in den Geschäften Jenas, ich fand immer wieder einiges zum Kaufen und muß mich bremsen, sonst wird mein Auto noch überladen.

Das Zusammenlegen meiner herrlich frisch gewaschenen Wäsche machte richtig Spaß, eine Freude, wenn alles wieder frisch und sauber im Schrank landet. Wenn man nicht ständig eine Waschmaschine nutzen kann, gewinnt so etwas Alltägliches einen viel höheren Stellenwert.

 

Mittwoch, der 23.05.2018

Heute sollte es nun wieder auf Tour gehen.

Naja, die Zeit war schon forgeschritten, da konnten wir beim Bäcker auch noch Kaffee trinken und was Süßes futtern, die Spritzkuchen haben es mir angetan. Hmm.

..und nun auf zum Kyffhäuser und in den Harz

 

Endlich auf der Straße fand ich die von Reni beschriebene Durchfahrt durch Bad Klosterlausnitz doch nicht korrekt und landete in Eisenberg. Also ging es auf die Autobahn nach Norden, vorbei an Leuna, Merseburg, unserer Heimat aus Kindheit und Jugend.

Unglaublich viele Windräder ( und es war auch richtig stürmisch) und die Landschaft wurde von riesigen Stromleitungen verschandelt. Jetzt verstehe ich die Proteste von Bürgern gegen die damals geplanten Riesen-Stromtrassen.

Hinter Merseburg wendet sich die Autobahn nach Westen Richtung Göttingen und führte durch`s Mansfelder Land. Mehrmals passierte ich riesige Abraumhalden-Kegel, hab heut Abend dann gelesen, daß diese vom Kupfer- und Kali-Bergbau stammen.

Mein Ziel ist der Kyffhäuser, zwischen Sangerhausen und Nordhausen ein kurzes Stück nach Süden und ich sah schon vom Weitem den riesigen Turm des Nationaldenkmals Kyffhäuser, geschaffen zu Ehren des Kaisers Wilhelm I. und zu Ehren der geeinten Deutschen Nation zum Ende des 19. Jh.

Zu dieser Zeit bildeten sich überall in Europa bürgerliche Nationalstaaten heraus,  bürgerliche Revolutionen beendeten die feudalen Herrschaftsformen.. Vorreiter waren Frankreich und England. Und aus diesen Zeiten stammen die ersten Versuche und Erfahrungen mit demokratischen Strukturen, neuem Rechtssystem und einer Verfassung. Zur Demonstration des neuen Nationalgefühls entstanden auch in vielen Ländern Nationaldenkmäler. So auch der Kyffhäuser auf den Resten einer alten großen Burganlage von Kaiser Barbarossa aus dem 12. Jh.

Der Kyffhäuser als kleines bewaldetes „Gebirge“ südöstlich vom Harz ragt aus dem Flachland 474m heraus und ist somit sehr markant von weitem sichtbar.

Ich fuhr die 26 Serpentinenkurven hinauf und kam kurz nach 17 Uhr an der Kasse des Denkmals an. Die Zeit reichte aber noch, den Turm zu besteigen, ein paar geschichtliche Infos zu lesen und das ganze Außengelände durfte man auch nach 18 Uhr noch besichtigen und durch eine Drehtüre dann nach draussen gelangen.

Das war sehr schön, weil kaum noch Besucher da waren, das riesige Monument konnte in Ruhe auf mich wirken.

 

Ein großer kostenloser Parkplatz war mein ruhiger Nachtplatz.

Nun dunkelt es schon und nach Gewitter schaut es trotz Wetterwarnung zum Glück nicht aus. Gute Nacht.

Donnerstag, 24.05.2018

Der Morgen auf dem Parkplatz des Kyffhäuser Denkmals war neblig und feucht, es sah mystisch aus, aber gut, daß ich gestern noch am Monument war.

Ich fuhr den Berg des Kyffhäuser-Höhenzuges wieder runter nach Bad Frankenhausen. Hier möchte ich das „Panorama“ anschauen, ein riesiges Panoramabild über den Bauernkrieg von Werner Tübke, dem DDR-Maler.

Am erstbesten Supermarkt kaufte ich Nachschub ein. Ich war gerade am Einsortieren von Spargel, Tomaten usw, da guckte eine nette 81jährige Frau ins Auto und fragte, wann es was zu essen gäbe..... Solche Begegnungen liebe ich.

 

Derweil regnete es sich ein, ein guter Tag also für ein Museum. Leider war aber drinnen kein Foto erlaubt.

Das es derart beeindruckend würde, habe ich nicht geahnt.

Ein kreisrunder Bau wurde eigens für dieses Kunstwerk geschaffen.

 

Den Beginn bildete ein Beschluß der DDR-Führung, daß auf historischem Boden ein Museum über den Bauernaufstand unter Thomas Müntzer als erste Revolution in Deutschland entstehen sollte. Auf dem Hügel bei Frankenhausen fand am 15.05.1525 die letzte vernichtende Schlacht des Bauernkrieges statt.

Welcher Künstler das schaffen sollte, war zu Beginn noch unklar. Werner Tübke, streitbarer Kunstprofessor, war kein angepaßter DDR-Künstler. „Trotzdem“ bekam er den Auftrag, der sein Leben veränderte.

Das riesige Panorama ist keine Darstellung der Schlacht, sondern „eine ins Bild übersetzte Geschichtsinterpretation, die nach radikaler gesellschaftlicher Umgestaltung verlangte“  (Wikipedia: Schlacht bei Frankenhausen).

 

Auf einer 123 m langen, 14 m hohen kreisrunden Leinwand (1.722 m²) sind mehr als 3000 Figuren der Zeit, in ihren Gewändern, Lebenssituationen künstlerisch mit allegorischen Figuren und christlichen und historischen Begebenheiten verknüpft. Der Eindruck ist überwältigend. Mit dem Audioguide habe ich mich im Kreis gedreht und den Erläuterungen einzelner Abschnitte und Personendarstellungen gelauscht. Man kann es nicht bei einem Besuch erfassen.

 

Von der Auftragsvergabe bis zur Fertigstellung vergingen 11 Jahre. Es war für mich spannend, von der Annäherung des Malers an den historischen Stoff, den Vorarbeiten und dem ganzen Prozessablauf eines solchen Riesenprojektes zu erfahren. Mit über 100 Einzelgemälden, Grafiken und Zeichnungen bis zur kompletten Version des Bildes im Verhältnis 1:10, dann das Abpausen der Konturen, Zerteilung der Pausen in 900 Einzelquadrate und deren Übertragung auf die echte Leinwand, und zuletzt die Ausmalung / farbige Gestaltung des Originals auf der Riesenleinwand war das eine Sisyphusarbeit, aber von Erfolg gekrönt. Die Leinwand wurde in Russland gefertigt, an Ort und Stelle passend genäht und zur Aufhängung vorbereitet, 1 Tonne wog allein die Leinwand, sie wurde grundiert nach einem russischen Geheimverfahren und wog nach Fertigstellung des Gesamtgemäldes 3 Tonnen.

Tübke hat dies Werk nicht komplett allein verwirklicht, er schuf es selbst bis zur 1:10 Version, jedoch bei der Übertragung auf die Großleinwand waren bis zu 12 Künstler als Helfer unter seiner gestrengen Wacht beteiligt.

 

Es ist für mich erstaunlich, wie solche, mir vorher unbekannte Besonderheiten am Weg plötzlich in mein Bewußtsein schießen, mein Interesse erregen und ich mit einer völlig unerwarteten Geschichte / Historie etwas Bekanntschaft schließe. Das betrifft sowohl Orte, Denkmäler, Kunstwerke, eine Theatervorstellung, Sportanlagen, Naturphänomene, Wanderwege usw. usf.

Und immer bin ich schlauer als vorher und füge dem Puzzle meines Wissens einen kleinen Baustein hinzu. Es kommt mir vor, als wäre seit dem Ende meiner Berufstätigkeit, mit dem spezialisierten Wissen und dem energie- und zeitraubenden Schreibtisch-Dasein, ein neuer Schalter umgelegt, indem ich mich für alles interessiere, was früher an mir vorbeifloß. Politik, Historie, Kunst, Kultur, ich kann mich begeistern und es ist nicht mehr nebensächlich.

 

Das freut mich ungemein.

 

Die Nacht verbringe ich nochmal im Kyffhäuser, diesmal auf einem Wanderparkplatz.

Freitag, der 25.05.2018

Um 6 Uhr wachte ich schon auf und wieder tat mir wegen Rheuma die linke Hand weh. Das Gelenk war dick und warm, so ein Sch...Da muß ich wohl doch zur Rheuma-Sprechstunde gehen. Das wollte ich ja vermeiden, aber die homöopathischen Tropfen helfen wohl doch nicht ausreichend.

Nach pipi und Schmerztablette döste ich noch bis fast 8 Uhr, ein intensives Geklapper von Autotüren machte mich schon stutzig. Als aber dann richtig Lärm losging, gucke ich im Schlafanzug mal raus und...ach Du Schreck: Männer der Stadt waren beim Rasenmähen. Naja, zugegeben das Gras war sehr hoch und kein Mensch konnte den Rastplatz nutzen, so zugewachsen war er. Also schlüpfte ich eilig ohne Morgenwäsche in die Sachen, aber ich hätte mir auch Zeit nehmen können, keiner hat sich um mich gekümmert.

Nachdem sie den Rastplatz freigelegt hatten, mußte natürlich Frühstückspause sein - die zog sich doch sage und schreibe über eine Std hin. Indessen war ich auch fertig mit Frühstück und Abwasch und begab mich wieder auf Tour . Der Weg führte über schöne abwechslungsreiche Landstraßen in den Harz bis nach Quedlinburg.

Unterwegs waren eine Vielzahl von Langholztransportern und viele viele Motorräder. Eine Situation brachte mir Herzklopfen, als zwei Motorräder im Gegenverkehr in einer Kurve einen LKW mit hoher Geschwindigkeit überholten und nur äußerst knapp mit einer schnellen Reaktion vor mir wieder auf ihre Spur einschwenkten. Mein Gott, wenn die mir reingefahren oder reingerutscht wären, ich hätte nichts mehr tun können.

 

Die Stadt Quedlinburg ist seit 1994 Weltkulturerbe und wenn ich mir vorstelle, wie wenig damals noch renoviert und aufgehübscht war, bin ich schon überrascht. Heute ist das anders, die Häuser der historischen Altstadt sind durchweg wunderbar rekonstuiert und baulich und farblich hergerichtet. Die Begründung der Welterbekommission ist der nahezu komplett erhaltene mitteltalterliche Zustand der gesamten Altstadt, der Straßen und Häuser, es gibt fast keine Neubauten darin und auch vom Krieg wurde die Stadt zum großen Glück verschont.

Der zweite Punkt ist die Historie Quedlinburgs als bedeutende Handels- und Residenzstadt der Kaiser aus dem Hause Otto. Das Bürgertum hatte bereits ab dem 10. Jh Handelsrecht, auf dem Markt stand der Roland als Zeichen der Handelstätigkeit und Quedlinburg wurde später sogar Mitglied der Hanse, dem bedeutendsten Bund der Händler im Deutschen Reich.

Eine ganze Anzahl von großen Kirchen und sogar ein Schloß, das im 11. Jh ein Frauenstift war, machen die Stadt wirklich sehr sehenswert.

 

Erst gegen 20 Uhr, es war aber immer noch herrlich warm, suchte ich mir meinen Nachtstandplatz - und fand außerhalb der Stadt einen Traumplatz. Direkt am Selketalweg, der ist hier auch Pilgerweg, die Umgebung ist mit weiten Wiesen und kleinen Büschen durchsetzt, es ist wie im Naturschutzgebiet, aber die Fahrt durch die kleine Straße war nicht verboten. Meine Abendbrotzubereitung war aufwändig, es gab Eierkuchen mit Holunderblüten (bayrisch: Hollerkücherl) , herrlich. Und dazu ein Schwarzbier, das ich vergessen hatte, der Reni zu schenken. Na, mir hat`s auch geschmeckt.

Samstag, der 26.05.2018

Heute morgen ging es mir nicht gut. Das linke Handgelenk schmerzt elend, dick, rot und bewegungsunfähig. Und dazu kam heute früh ein heftiger Durchfall. Mist und ich hab keine Durchfallmedizin dabei. Der Weg vom Auto zu einem Baum wurde jeweils ziemlich lang. Zum Gück kommen hier nicht viele Leute vorbei, einige Radler, das war`s schon.

Was hilft`s, ich bin heute am Auto geblieben.

Es war sehr heiss heute, ich hielt mich aber vorwiegend drinnen auf. Mittags spazierte ich mal über die Wiesen, zu einer Schafherde, saß gemütlich im Schatten auf einem Hügel und wartete, ob in der Landschaft was passierte. Überall wilde Heckenrosen, verwilderte Kirschbäume und hohes Gras, was wohl auch im Vorjahr nicht gemäht wurde. Da sind die Schafe grad richtig auf solchen kargen trockenen Flächen. Eine ehemalige Bahnschiene war nur zum Teil ausgebaut, am Abend beim Spaziergang entdeckte ich noch eine alte Bahnbrücke.

Mittags war der Durchfall vorbei, der Hand ging es nicht besser, aber mit Schmerztablette konnte ich was tun. Mit der gestern gekauften Wolle ( ein hellblaues Westchen für meine Enkelin soll es werden) versuchte ich mich an verschiedenen Mustern.

Ich hoffe, morgen geht`s besser, ich möchte nach Thale fahren. Von da möchte ich die Bedingungen für meine geplante/ erhoffte 5-Tage-Wanderung quer über den Harz, den Harzer Hexenstieg erkunden. Vor allem aber muß ich erst mal wieder fit werden. Mit dieser Handentzündung brauche ich nicht zu starten.

Gute Nacht. Ringsum wird geschossen. Ich hoffe, die Jäger erkennen mein Auto mit lebendem Inhalt an.

Sonntag, der 27.05.2018

Oh Manno, die Nacht war schon gegen 4 Uhr zu Ende, es wurde gerade zaghaft hell und wieder rumorte ein Schmerz in der linken Hand.

Es half nix, der Schlaf war weggeblasen, ich mußte aufstehen und wieder eine Schmerztablette angeln. Mit Sudoku verkürzte ich die Wartezeit, bis die Tablette wirkte, dann konnte ich ab 6 nochmal 2 Std Schlaf erhaschen.

Gegen 11 Uhr startete ich mit Ziel Thale, das ist eh nicht weit. Aber nicht mal bis dahin kam ich, denn ein brauner Wegweiser zeigte zur Teufelsmauer. Upps, der Parkplatz ist zu klein und zu voll. Zum Glück gab es gegenüber eine kleine steile Einfahrt in eine Wiese.

An der Bode begann der Wanderweg zur Teufelsmauer, zunächst am Flüsschen entlang. Herrliche Auenlandschaft und immer wieder kleine Stromschnellen.

Dann sah ich die Felsen schon rechts oben, sie ziehen sich wie ein Hahnenkamm auf dem langgestreckten Hügel dahin.

Der Weg führte leicht bergauf (der gesamte Wanderweg Teufelsstieg ist 35 km lang und auch mit Rad befahrbar). Ich überlegte noch kurz, ob ich die Radeltour machen soll. Aber es kam anders. Denn ich traf oben einen Radler, der mich auf die Kirschen aufmerksam machte. Und wirklich, es gab schon einige reife an den Glaskirschenbäumen. Hmmm, das hab ich ja lange nicht geschmeckt. Die Kirschbäume wurden extra für den Wanderweg dort gepflanzt, viele verschiedene Sorten und man kann sich gütlich tun. Das ist ein sehr guter Standort für Kirschbäume vom Boden und Klima her.

Dann spazierte ich direkt an den Felsen der Teufelsmauer entlang - es sind einzelne sehr stark zerklüftete Felsen. Das ist wohl das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands wird vermutet. Die Leute bauten im 19. Jh den Sandstein für Bauzwecke ab. Das verbot dann wegen der Naturschönheit ein Landrat Mitte des 19. Jh, zum Glück, sonst wären die Teufelssteine gar nicht mehr da.

Mit einer Harzer Hexe am Wegesrand schloß ich Freundschaft.

Nun führte mich mein Weg doch noch nach Thale und direkt hinauf zum Parkplatz der Roßtrappe.

Dazu gibt es eine Sage: Prinzessin Kunigunde floh vor ihrem Freier, den sie nicht wollte, zu Pferde. An der Felsenschlucht scheute das Pferd und sie hatte keine Wahl, sie riß das Pferd zu einem Sprung über den Abgrund hinweg. Auf dem Felsen der Roßtrappe kamen Pferd und Reiterin wohlbehalten an, das Pferd hinterließ einen Fußabdruck und Kunigunde entkam. Ihr Verfolger Bodo stürzte ins Felsental und muß seitdem ihre Krone, die ihr runtergefallen war, im Fluss bewachen. Seitdem heißt das Flüsschen Bode.

 

Ein kurzer Weg über Stock und Stein führt zur Felskante und es ist wirklich ein jäher Felsabsturz. Gegenüber sieht man die Seilbahn, die zum Hexentanzplatz hinaufgondelt und unten, ganz weit unten fließt die Bode. Ringsum viel Wald. Dieses tiefe Felsental soll das tiefste nördlich der Alpen sein.

Der Himmel grollte und donnerte schon, ein Gewitter zog auf. Ich zog es vor, im Roßtrappenhotel Kaffee zu trinken und abzuwarten. Man weiß ja nie, ob es ein alles mitreißendes Hagelunwetter wird. Bei Schwarzwälder Kirschtorte und Cafe Latte ließ es sich gut warten zumal ich zwei Steckdosen im Eck zum Laden meiner Geräte in Beschlag genommen hatte. Das Unwetter blieb brav, trotzdem, es regnete sich ein. Zwei dürftig gekleideten Ausflüglern (die waren gerade beim ersten date :o)), bot ich die Rückfahrt ins Tal an. Mit Ballerina-Schuhchen und ohne Jacke - da würde es sich zitternd auf Waldwegen gut runter rutschen lassen.

In Thale angekommen, fand ich am Bahnhof den Startpunkt des Hexenstiegs und dann auch noch die Therme. Ach das Wetter läßt sich doch zur Grundreinigung gut nutzen. Dachte ich. Das war auch so, aber mit so gepfefferten Preisen hatte ich nicht gerechnet.

Nur, wie man dann die nassen Badesahen und Handtücher im WoMo trocken bringt, wenn`s draußen regnet, das habe ich noch nicht heraus.

In der Mediathek guckte ich mir dann das heutige Sandmännchen an, denn es sollte ein Bild, gemalt von meinem Enkel Paul, gezeigt werden. Nach dem Abendgruss werden 2 von Kindern gemalte Bilder vorgestellt. Paul hatte eine Rakete gemalt, mit einem Paßbild des Kindes kann man das einsenden. Sehr schön.

 

Nun war es schon ziemlich spät und ich hatte noch keinen Nachtplatz. Auf der Strecke nach Wernigerode würde ich was finden- dachte ich. Aber denkste, kein Wald, nur Felder ohne Wege ab. So mußte ich suchend noch weiterfahren Richtung Elbingerode, hier geht`s wieder in Wald und Berge hinein. Und genau, kurz nach Wernigerode bergauf war rechts ein Schild: Wanderparkplatz, sogar 200 m von der Straße weg und ein herrlicher Platz ganz für mich allein. Das war einer der besten Plätze überhaupt, mit Bach, volle Ruhe und mit Essplatz.

Das Kochen und Tagebuch-Schreiben dauerte dann aber auch noch bis 23.45 Uhr.

Montag, der 28.05.2018

Am Vormittag habe ich an dem herrlichen Wanderparkplatz meine Wanderklamotten rausgesucht und den Rucksack gepackt für die morgen beginnende Wanderung auf dem Harzer Hexenstieg.

Dann war ich unterwegs und bin doch glatt an der Staumauer der Rappbode-Talsperre vorbeigekommen. Und was sehe ich da? Eine Riesen-Hängebrücke. Och, da muß ich auch hin, biege prompt auf einem kleinen eher wilden Parkplatz ein.. Und marschiere das Stück zurück zur Staumauer. Für 6 € begab ich mich auf die schwankende, moderne Hängebrücke. Über 450 m lang ist die, wirklich riesig und hoch über`m Wasser. Man konnte direkt auf die Vorsperren hinunter und in die riesige Staumauer hinein gucken, sehr eindrucksvoll.

Daß ich mit kurzem Sommerröckchen unterwegs war, zeigte sich bei aufbrausendem Wind als falsche Kleidungsauswahl.

In der Mitte hat es ziemlich geschwankt, und von da hätte man die Möglichkeit zum Bungee Jumping gehabt. Nee, das wäre mir doch nichts. Aber es gäbe auch den Kick, sich an einem Seil über die ganze Vorsperre hinweg rasend nach schräg unten zu bewegen. Eiomei. Da bleib ich lieber auf meinen Füßen, marschierte auf der Staumauer zum Auto zurück und gerade als ich bei schlechter Sicht vom Parkplatz wieder auf die Strasse einkurven wollte, klingelt das Handy.

Meine heutige Verabredung, die Burmester`s melden sich, es wird später, sie seien unterwegs.

In Stiege, einem Nest vom Ort Oberharz, will ich mich mit Ernst und Gisela treffen, den Reisefotovorführern aus München, beide sind über 80.

 

Na macht nichts, ich fahre schon mal hin und erkunde noch bissl die Gegend.

Außerhalb von Stiege gibt es eine Stabkirche nach dem Vorbild der polnischen in Karpacz. Im ehemaligen Albrechtshaus gab es seit 1897 eine Lungenheilstätte, bis 1993 sogar noch, aber jetzt völlig verfallen und zerstört. Und daneben steht die schöne Stabkirche, leider verschlossen. Ein Verein wirbt mit wenigen Veranstaltungen um dieses Kleinod und will die schöne Kirche nach Stiege umsiedeln, damit sie erhalten und geschützt werden kann. Ich wandere durch den Wald. Auch dort ist kein Handy-Empfang, also weiß ich nichts von Ernst und Gisela.

 

Zurück in Stiege treffe ich beide am Abend an ihrem Quartier, welch eine Begrüßung. Bei einem Picknick im Hof des Vermieters gehen wir zum Du über. Ich ärgere mich, daß ich kein Foto gemacht habe.

Es ist schon fast dunkel als ich endlich aufbreche von Stiege und noch ein Stück Richtung Thale fahre. Ein traumhafter Sonnenuntergang, aber leider auch zu spät, um einen schönen Nachtplatz zu finden. Ein kleiner Abzweig in den Wald, direkt an der Straße, das ist fast ein Nothalt, Zähne noch putzen, schlafen.

Am Morgen wache ich früh vom Autolärm auf, und stelle dann fest, daß ich die Fenster an der Fahrertüre nicht geschlossen hatte.... Glück gehabt.


Start des Harzer Hexen-Stiegs, meiner 5- Tage-Wanderung über 100 km von Ost nach West, von Thale nach Osterode.

Mein Harzer Hexenstieg 29.05. - 02.06.2018

 

Dienstag 29.05.2018

 

In meinem Nachtquartier nah an der Straße klingelte der Wecker schon halb sieben.

Trotzdem auf: denn heute will ich den Harzer Hexenstieg von Thale aus starten. Frühstück mit Spargel-Eier-Suppe. 1 Scheibe Brot und Kaffee und dann eine halbe Std Fahrt nach Thale. Der große Parkplatz ist zwar kostenfrei und wird im Wanderführer angeboten, aber mir gefällt er gar nicht, der Sicherheit wegen.

Aber was soll`s? Flugs noch die restlichen Sachen gepackt, der Rucksack war gestern schon fast fertig gepackt. Und dann Marsch zur Tourist-Info in Thale, die Dame reservierte mir netterweise noch ein erstes Quartier für heute Nacht in Altenbrak und die Bahnverbindung für die Rückfahrt von Osterode.

 

Dann ging`s los zu Fuß. An den Seilbahnen begann der Weg durch`s Bodetal. Und der war aller Ehren wert, immer schön schattig am Fluß entlang, mal direkt am Wasser, mal höher droben, das Wasser mal schäumend, stürzend, sprudelnd, mal ruhig dahinfließend.

 

Die heutige Hitze und Schwüle trieb mir den Schweiß aus allen Poren, über 30°C im Schatten, Hochsommer im Mai. Der erste Ort nach 10 km hieß Treseburg, uff, Mittagsrast im Schatten. Heute ist es eine kürzere Eingehtour mit 15,2 km. Bis Altenbrak führte der Weg gemütlich und mein erstes Quartier im leuchtend gelben Haus „Bergfried“ war schon gegen 15 Uhr erreicht.

 

Nach Eis und Kuchen in der Jägerbaude spazierte ich durch den Ort und fühlte meine Unruhe wegen des Autos auf dem großen unbewachten Parkplatz in Thale. Mein schönes, neues, teures WoMo, wenn das weg kommt? Also entschloß ich mich, mit Taxi nochmal zurück nach Thale zu fahren und das Auto hier in den kleinen Ort zu holen, direkt vor`m Haus der Vermieter ist eine Parkmöglichkeit.

Besser 30€ für die Taxe investiert, als das WoMo riskiert. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Nun konnte ich entspannt Abendbrot essen gehen.

 

Es ist interessant, mit welchem Blick ich die Menschen an den Tischen scanne und in Sekundenschnelle entscheide, wo ich frage und mich mit dazu setzen möchte. Welche Kriterien entscheiden dies in Bauch und Hirn?

 

Ich entschied mich für einen Tisch mit einem Paar aus Dortmund, die den Hexenstieg entgegengesetzt gehen und mir manchen Tip für den Weg mitgaben. Sehr nette Gespräche. Dies war ein schöner Abend bei Strammem Max und Weißbier.

 

Ab in`s Bett in meinem Quartier, seit Mitte April das erste feste Bett wieder.

Mittwoch, 30.05.2018 - 2. Tag des Hexenstiegs

 

Wieder plagt mich eine Entzündung an der linken Hand. Wieder eine Schmerztablette. Jetzt langt`s aber! Um 6, nach nochmal dösen, stehe ich auf, denn ich hab mein Frühstück schon für halb sieben bestellt wegen der Hitze.

Ein netter - viel zu langer - Plausch mit der Vermieterin Frau Pisalski. 7.40 Uhr endlich komme ich los, 27 km liegen vor mir. Ich bin noch nicht mal raus aus dem Ort, fängt es schon zu regnen an. Ohne Vorwarnung ein Regenguß! Eine 130 Jahre alte hölzerne Wasser-Brücke leitet noch heute Bodewasser.

 

Der Weg teilt sich kurz hinter dem Ort Altenbrak. Ich habe mich für die Variante der südlichen Umgehung der Rappbode-Talsperre entschieden. Von einem schönen Aussichtspunkt, sogar mit Gipfelbuch, liegt mir Altenbrak zu Füßen. Und es hört schon wieder zu regnen auf. Der Weg führt weiter bergauf zu einer noch aktiven Köhlerei, dem Stemberghaus.

Auf dem folgenden Wegstück, dem Köhlerweg waren früher Köhlermeiler. Die Holzkohle wurde als Brennmaterial gebraucht für die Eisengießereien und Schmieden, die das Erz aus den Bergwerken verarbeiteten.

Rinder -Holz-Plastiken wiesen auf die frühere Waldweide hin, da das wertvolle Heu von den Wiesen für den Winter gebraucht wurde.

 

Nach 13 km - in Hasselfelde- war die Hälfte geschafft . Dort gab`s Mittagessen bei einem Asiaten, das war sehr lecker und die Pause brauchte ich auch in der Hitze. Eine Dame in der Tourist-Info versicherte mir, daß die Umleitung vom Hexenstieg wegen Windbruchschäden gut ausgeschildert sei und nur 500 m länger. Ausgeschildert war er nur zu Beginn, der Rest war wohl bewußte Fehlinformation. Ein ewiger Hatscher auf einer sonnenheißen staubigen, steinigen Landstraße und ohne Wegweiser wird man nach 2 km unsicher. Das war grenzwertig. Aber zum Glück doch richtig.

 

Auf dem 2. Teil des Weges hinter Hasselfelde wurde es nochmal hart, Hitze und Streckenlänge hatten es in sich. Ein schöner Ausblick auf die Vorsperre der Rappbodetalsperre lud nochmal zur kurzen Rast. Im Hochwald lagerten Massen von geschälten Stämmen wegen dem Windbruch am Ende des Winters. Meine Kräfte schwanden und endlich, glücklich erreichte ich das Tagesziel Königshütte.

 

Der empfohlene kleine Umweg auf die Burgruine mit toller Aussicht hat mich nicht mehr gelockt. Verschwitzt und kaputt saß ich erstmal 15 min vor meinem Zimmer zum Durchschnaufen. Und nach der Dusche ein Bier! Das Zimmer in der Hotel-Pension „Am Felsen“ war super, aber der Preis mit 47,50 € auch.

Da Internet und Telefon in dem Ort nicht verfügbar waren, konnte ich kein Quartier für die nächste Übernachtung bestellen. Das macht bissl unsicher für den Weg des nächsten Tages.

Donnerstag, 31.05.2018 - 3. Tag vom Hexenstieg

 

Die heutige Route führt als Höhepunkt über den Brocken, den höchsten und sehr erhabenen Berg, über 1000 m hoch. Der Brocken war jahrzehntelang gesperrt, da er im Grenzbereich Ost-West lag.

 

Frühstück gab es erst leider ab 8 Uhr, das ist kein wanderfreundliches Timing, obwohl das Haus von den Wanderern lebt. Ein strenges Schild im Frühstücksraum wies darauf hin, daß eine Mitnahme vom Buffett für unterwegs „automatisch“ mit 5 € auf dem Kundenkonto belastet würde!! Upps , peng !! Dazu der spröde Charme der Chefin, die mir auf meine Bitte, mir bei der Zimmerreservierung für den Abend behilflich zu sein, erklärte, daß sie kein Telefonbuch für Torfhaus habe, das sei ja schließlich ein anderes Bundesland. !! Mir klappte die Kinnlade runter und dies habe ich im Nachhinein bewertet. Zumal öffentliches Internet nicht verfügbar war.

 

Also marschierte ich erst nach 9 Uhr los, zeitgleich mit einer Gruppe Wanderer, wie sich auf dem Weg im Gespräch herausstellt, aus Norwegen. Netter Plausch bis zur Bahnschranke in Drei-Annen-Hohne. Da klackerte doch gerade die Schranke herunter und es nahte ein Dampflok-Zug. Hallo, das ist der zum Brocken!

 

Ich befürchtete ja, kein Quartier in Torfhaus, dem nächsten Etappenort, zu bekommen, und in dem Fall müßte ich nämlich nach Altenau nochmal 7 km weiter gehen. Also schneller Entschluß: ich fahre mit der Brockenbahn mit. Gehört ja auch zum Erlebnis der Tour.

 

Ich sprintete zum Zug, die Lok mußte zum Glück noch Wasser tanken und hatte Wartezeit. Aber ich hatte keine Zeit mehr zum Abschied von den Norwegern. Schade. Die traf ich dann aber am Abend gegen 8 Uhr an der Bushaltestelle in Torfhaus, ziemlich fertig, denn sie waren alles zu Fuß gegangen.

 

Ich allerdings genoss die Zugfahrt zum Gipfel, das Schnauben, Dampfen und Pfeifen der Dampflok und die Luft auf dem Perron, wo ich draussen die schöne Fahrt mitbekam, in den Kurven versuchte, ein Foto von der Lok und dem ganzen Zug zu erhaschen und nette Gespräche mit zwei Männern hatte. Deren Frauen hatten sich im Abteil verschanzt und sogar die Fenster wegen dem Qualm der Lok geschlossen. Ja so was!

Meine Fotoversuche der dampfenden Lok allerdings waren nicht leicht, entweder ich war zu langam... es waren Bäume im Wege.... oder der Mann auf dem Perron vor mir hielt die ganze Zeit sein Handy raus und filmte die halbe Fahrt lang mit. So hatte ich meist seine Hand und sein Handy in meinem Fotomotiv.

 

Weiter oben Richtung Gipfel fährt der Zug im Kreis um den Brocken herum und wir waren sehr überrascht, ja entsetzt über die vielen abgestorbenen Baumleichen. Ganze Waldstücke waren tot. Das sieht schrecklich aus.

 

Später habe ich gelesen, daß ein verheerender Sturm 1992 viel Windbruch verursachte, den man aber im Nationalpark nicht wegräumte und somit der Natur ihren Lauf ließ. Das ließen sich die Borkenkäfer nicht entgehen und vernichteten auch die lebenden gesunden Bäume. Die Philisophie, daß der Wald, die Natur sich selbst reparieren sollen, funktioniert auch, aber in sehr großen Zeiträumen, sehr langsam, über mehrere Generationen hinweg. Jetzt stehen z.T. frische gesunde Fichten von 4 - 5 m Höhe zwischen den abgestorbenen Riesen, aber noch nicht überall. Es dauert halt 50 und mehr Jahre, bis die Natur sich selbst regeneriert.

 

Auf dem Brocken war Touri-Rummel, ein großes Plateau ohne Bäume, er ist ja auch 1.141 m hoch und eine Wetterküche. Ich hatte heute Sonne, das ist ein Glücksfall. Ein Hotel, ein Restaurant, eine Info, ein paar Imbissbuden. Ich bin ja „verwöhnt“, was Berge betrifft und nicht jeder hohe Berg bringt mir Hochgefühle. Der Brocken ist schon was Besonderes, aber daß ich im Gipfelhotel übernachten würde, wie andere Wanderer mir stolz erzählten, das käme mir nicht in den Sinn. Auf den empfohlenen Rundweg um den Brockengipfel verzichtete ich, immer noch unsicher wegen meines Nachtquartiers. Also Abstieg, es kann noch weit werden heute.

 

Und das war eine gute Entscheidung, denn nach Kurzem donnerte es, dunkelte sich fürchterlich ein und es goß ein Gewitterregen los. Gerade noch rechtzeitig hatte ich mich und den Rucksack regendicht verpackt und marschierte trotz Regen weiter. Viele Leute hatten gar kein Regenzeug dabei. Unglaublich.

 

Irgendwann schien an meiner Seite des Brockens die Sonne wieder, während auf der anderen Seite noch dunkler Donner grollte. An einem schönen Rastplatz trocknete ich alles und hatte endlich! Telefonkontakt. Und hurra, es klappte mit der Unterkunft in der Jugendherberge in Torfhaus. Und sogleich organisierte ich mein nächstes Quartier in Buntenbock. Upps, Wandern ist teuer. Aber was hilft`s, ich brauche ein Quartier, bin ja ohne Zelt und Schlafsack unterwegs.

 

Trotzdem, ich bin sehr froh, hier unterwegs zu sein. Es geht mir gut und ich werde es schaffen.

 

Ein kleiner Pfad auf Holzstegen führte in`s Hochmoor.

Im Ort Torfhaus gönnte ich mir im 4*-Restaurant des „Harz-Ressort“ Kaffee und Kuchen mit Ausblick auf den Brocken und auch das Abendbrot. Doch zuvor, welch Überraschung und Zufall, traf ich Gisela und Ernst, die beiden Freunde im Eingangsbereich des Restaurants. Diesmal nicht verabredet. Na das war eine freudige Begrüßung.

Beim Abendessen war es im Gespräch mit zwei ebenfalls wandernden Frauen sehr vergnüglich.

 

Aus meinem Jugendherbergszimmer guckte ich neugierig dem neuerlichen heftigen Platzregen zu und erduldete am Abend die tobenden Kinder auf den Fluren, die von Zuhause weg, mal die „Sau rauslassen“ müssen. Erst um 22 Uhr greift offenbar ein Lehrer ein, dann war plötzlich Stille, sehr schön.

Ich hoffe auf eine ruhige Nacht, denn Ohropax habe ich nicht dabei.

Auch dies war eine teure Nacht, 29 € + 10 € Alterszuschlag über 27, plus diverse andere Zuschläge, mit Luchpaket für morgen komme ich auf über 50 €! Von wegen Wandern - einfach und preiswert.

Freitag, der 01.06.2018 - der vierte Tag auf dem Hexenstieg

 

Die Nacht war erstaunlich ruhig, wenn man vom frühmorgendlichen Türknallen absah. Das Frühstück in der Jugendherberge erinnerte mich an Schulspeisungszeiten- lange Warteschlange und Massenbetrieb. Naja, ich bin satt geworden und war gegen 9 Uhr startbereit.

 

Im Foyer dachte ich, am Fernreisebahnhof oder Flughafen zu sein. Alle abreisenden Kinder hatten Rollkoffer dabei, z.T. riesige, die sie gar nicht die Treppe runter brachten. Das gibt`s doch nicht! Das waren noch Zeiten, als wir mit Campingeutel und kleiner Tasche unterwegs waren.

Im Ort mußte ich erst nach dem Weg suchen. Und sogleich kam schon der wegen Windbruch gesperrte Wegabschnitt, der Magdeburger Weg

 

Die Umleitung war gut ausgeschildert, aber 3 km länger. Dann folgte ein wunderschöner Wegabschnitt immer an den Kanälen entlang. Diese Wassergräben wurden ab dem 17. Jh angelegt, für die der Harz Weltkulturerbe ist, die „Harzer Wasserwirtschaft“.

 

Diese Gräben wurden von Bergleuten gezogen, um den Erzbergwerken immer ausreichend Wasser zuzuführen. Damals war Wasserkraft die einzige Möglichkeit, Abraum, Erze und auch eingedrungenes Wasser aus dem Schacht zu transportieren. Es wurden bis zu 500 km Gräben, z.T. auch unterirdische Leitungen und viele Teiche angelegt, Überlaufbecken, Vorrichtungen für das Abfangen von Schwemmgut, usw., die auch gewartet werden mußten. Wegen Unwettern, Verunreinigungen, Grabenschäden wurden direkt Grabenwächter eingesetzt. Wichtig war ein gleichmäßiger Wasserfluß, zuviel Wasser schadete und zu wenig Wasser führte zum Stillstand in den Bergwerken. Tolle Ingenieure berechneten die Neigungswinkel der Gräben und den notwendigen Wasserfluß. Das alles wurde am Weg immer wieder mit sehr schönen Informationstafeln erklärt.

Aber genug der Technik, mich forderten der Weg und das Wetter immens.

 

Bereits ab 10/ halb 11 begann es nämlich zu gewittern und es goß 2,5 Std lang heftigst. Kaum eine Möglichkeit zum Unterstellen, keine trockene Wanderhütte. Ich bin trotz Gewitter weiter gegangen, der Weg heute war sehr weit und ich hätte es nicht geschafft, wenn ich abgewartet hätte. Außerdem, wo hätte ich abwarten sollen?

Trotz Rucksacküberzug, Regenjacke und Schirm wurde ich pitschnass, es lief hinten in die Hose rein, der Schirm tropfte in der Mitte durch. Keine Zeit und kein Platz für eine Pause, ich war hungrig und schon müd.

 

Das geht echt an die Substanz, so lange im Unwetter zu gehen. Zum Glück war es einigermaßen warm, so daß ich durchnäßt weiter konnte. Endlich fand ich eine Hütte des Harzer Wanderklubs und aß im Stehen meine zwei Brote. Vor Nässe und Kühle konnte ich mich nicht setzen. Der Weg neben dem Kanal stand komplett im Wasser, ich fand eigentlich keine pfützenfreien Stellen zum Gehen. Irgendwann war es wurscht. Alles patschte. Dazu Blitze und Donner.

 

Endlich, endlich hörte der Regen auf, und - welche Freude - am Dammhaus gab es ein Restaurant. Kuchen mit Sahne, Eis und Kaffee! Mit Süßem konnte ich Moral und Kräfte wieder aufpäppeln und trocknete auch ein wenig.

Aber das Ziel Buntenbock kam scheinbar kaum näher.

 

Ein besonderes Bauwerk war der Sperberhaier Damm, das ist ein großer Erddamm über eine Talsohle hinweg, auf dem dann der Wasserkanal verlegt wurde. Heute erscheint das wenig spektakulär. Aber: das alles wurde im 17./18. Jh mit Muskelkraft und Schubkarren bewältigt, da waren fast ein Drittel der damaligen Bergwerksarbeiter beschäftigt. Auf diesem Damm führte auch der Wanderweg. Früher war der Kanal auf dem Damm offen. Wenn nach Unwettern zuviel Wasser entlang schoß, war der Damm häufiger gebrochen. Deshalb ist heute der Wasserkanal in Rohren verlegt und nur ein Stück wurde wieder geöffnet, um die Funktion zu zeigen. Und das Wasser läuft immer noch nach Jahrhunderten.

 

Kurz danach gab es an einem unscheinbaren schmalen Waldpfad kein Wegweiser. Ich war auf der Forststraße geradeaus marschiert und ohne Wegweiser wurde ich stutzig. Ich kehrte um, suchte mehrmals die Stelle ab und hatte `ne 3/4 Std an Zeit verloren und wieder 3 km umsonst gelaufen. Das kratzt elend an der Moral. Alles wurde schwer, ich trabte nur noch dahin und nach 20 km wurde mir alles zuviel. Die Schuhe waren noch immer nass, ich hatte eine Blase gelaufen.

 

Aber es war noch nicht das Ziel. Zum Glück war es jetzt wenigstens trocken, leicht sonnig und bissl warm. Die Kleidung trocknete am Körper. Meine gedankliche Ankuftszeit verschob sich von 17 auf 18... auf 19... Uhr.

 

Endlich, endlich kam der Ort Buntenbock in Sicht, aber vom Weg mußte man noch abweichen und nochmal 2 km gehen, an 4 Seen vorbei, wie schön wäre es jetzt zu baden!

Im Ort traf ich zum Glück eine nette Gruppe, die mir den Weg zu meinem Quartier, der Ziegelhütte zeigen konnten.

 

Völlig erschöpft und demotiviert kam ich gegen 3/4 Acht am Quartier an, zeitglich übrigens mit einem jungen Paar, die ich unterweg schon des öfteren gesehen hatte, da der junge Mann einen großen Wander-Stab mit sich trug. Das Quartier war die Pension „Holl und Boll am Hexenstieg“, sehr schön, das beste bisher, aber auch das teuerste. Die nette Wirtin machte mir zum Glück noch Brot, Schinken und Speigelei, denn es gab nichts in der Nähe zu essen. Ein Bier, eine kleine Flasche Rotwein, ich fiel in einen Erschöpfungsschlaf. 29 km war der Tag lang. Viel zu lang mit den Bedingungen des Gewitters!

 

Das junge Paar übrigens erinnerte mich an wichtige Orte meines Lebens, Christine stammt aus Bad Dürrenberg, lebt jetzt in Leipzig, Axel kommt aus Chemnitz. Welche Zufälle es gibt.

Samstag, der 02.06.2018 - 5. und letzter Tag des Hexenstiegs

 

Heute hatte ich wirklich nicht mehr viel Lust und Energie zum Laufen, aber diese Etappe war zum Glück sehr kurz. Offziell nur 11 km, mit dem Weg vom Quartier sind es 13 km. Das schaffe ich dann auch noch, war mein Motto.

 

Es ist neblig und nieselt, kein wirklicher Anreiz zum Laufen. Wir nehmen uns Zeit und brechen gegen 10 Uhr zusammen auf, zu dritt gehen wir den letzten Tag. Das finde ich schön, obwohl die beiden jungen Leute ein ziemliches Tempo eingelegt haben, aber mit der Zeit etwas langsamer wurden für mich. An den Aussichtspunkten unterwegs schauen wir voll Begeisterung in den Nebel, aber wenigstens hört nach 1 Std. der Regen auf.

 

Eine Holzplastik einer alten Bäuerin auf der Bank erinnert an die schwere Arbeit der Bergmannsfrauen, die mit Eseln und Verpflegung den Weg in die Berge auf sich nehmen mußten, damit ihre Männer im Bergwerk versorgt werden konnten. Eine Lastenkiepe, die sie schleppten, wog bis zu 40 kg!! Unglaublich. Der Weg heißt deshalb heute Eselspfad.

 

Ich freue mich, daß ich mir einen letzten Stempel der Harzer Wandernadel in meine Wanderpostkarte drücken kann. Lange naschen wir von reifen Walderdbeeren, aber wir haben auch Zeit heute und kommen gegen 13 Uhr in Osterode an.

 

Das Ziel des Hexenstiegs! Geschafft! Gratulation und gegenseitige Fotos.

 

100 km bin ich gelaufen. Darauf bin ich echt stolz. Mit 65, trotz geschädigtem Knie und Rheumaproblemen hab ich es geschafft. Das war vorher nicht sicher, aber wenn ich einmal unterwegs bin, dann will ich es auch schaffen!

 

In Osterode gönne ich mir zum Essen ein Glas Weißwein. Prost auf den schönen Weg und meine Leistung. Dann wird es schon Zeit, zum Zug zu gehen, den ich im Restaurant über die BahnApp gebucht hatte.

 

Eigentlich.... war nach Thale zurück 3 Std Fahrt und 3x Umsteigen geplant. Aber beim 2. Umsteigen in Goslar war erstmal Stop der Reise. Massen an Polizeiaufgebot auf dem Bahnhof, große Gruppen von Menschen in roten T-Shirts mit Aufdruck “ Deutschland voran“ oder so ähnlich. Ich bin ziemlich irritiert. Es stellt sich heraus, daß in Goslar heute ein großes Treffen von Rechstextremen war. Ob nun von Rechts- oder Linksextremen, jedenfalls wurde ein Stück der Bahnschiene zerstört, Beton auf die Gleise gekippt und Stromkabel gekappt. Also konnte der Zug von Goslar - der HEX- nicht fahren. Jetzt wurde es kompliziert: 2 Stationen Regionalzug, Schienenersatzverkehr mit Taxi bis Ilsenburg, endlich wieder ein Zug nach Halberstadt und ab da Umstieg nach Thale. Es dauerte 2 Std. länger als geplant.

 

Welch ein Zufall, im Zug bekomme ich eine whatsapp, daß gerade mein Neffe Dirk und Frau auf dem Brocken waren. Wie das? Sie sind in meiner Nähe? So ein Glück! Sie holten mich in Thale ab. So kam ich neben einem netten Treffen mit ihnen auch schnell wieder zu meinem WoMo in Altenbrak, der ersten Station des Wanderwegs.

 

Die nette Vermieterin freute sich mit mir über den geschafften Weg.

Und Altenbrak hat auch noch einen superschönen Stellplatz direkt am Ufer der Bode. Der findet in meinem Journal der besten Plätze Würdigung.

 

Eine sehr nette Abendbekanntschaft mit VW-Bus- Enthusiasten aus Nordhausen verschaffte mir 2 Gläser Sekt und einen netten Plausch. Ein schöner Abendausklang zum Ende meines Hexenstiegs. Angetütert und wackelig auf den Beinen mit Knie-, Fuß- und Blasenschmerzen landete ich in meinem Bett.

 

Ach wie schön war es, wieder in meinem „basecamp“ zu schlafen. Das ist mir schon ein Zuhause geworden.

Sonntag, den 03.06.2018

 

Heute muß echt ein Ruhetag sein, ich bin noch ziemlich fertig von meinem Hexenstieg, von der Gewalttour am Freitag habe ich mich noch nicht erholt.

 

Am Parkplatz an der Bode in Altenbrak ist es wunderbar zum Relaxen, ich trödele ich vor mich hin, koche und kaffeetrinke hintereinander, rätsele Sudoku, schlafe bissl am Nachmittag und schwinge mich am Abend nochmal aufs Radl, die Gegend zu erkunden. Da geht es nur bergauf aus Altenbrak raus, nie zu steil aber stetig. Am Forsthaus-Restaurant Todtenrode stehen Schilder, daß es zur Roßtrappe nur knapp 7 km seien. Aha.

 

Der Weg zurück rollt bergab und an der Bode radele ich den Hexenstieg-Weg nach Altenbrak. Das war eine schöne 2stündige Abendrunde.

Montag, der 04.06.2018

 

Die Sonne lugt wieder raus, und ich werde zeitig geweckt. Ein Flaschensammler entsorgt gerade einen ganzen Hänger voll im Glascontainer hinter mir. Nicht genug damit, danach kommen wieder die treuen Gemeindearbeiter und mähen direkt um meinem Frühstückstisch herum. Zum Glück machen sie wie die Anderen im Kyffhäuser dann bald Frühstückspause, auch länger als eine Std, denn als ich fertig bin und abfahre, sitzen sie immer noch.

 

Meinem Plan, nach Wernigerode zu fahren, bin ich nur ein paar km bergauf treu geblieben, dann bog ich ab zum Alten Forsthaus Todtenrode, denn mir war gerade eingefallen, daß ich doch an der Roßtrappe noch den Wanderstempel für meine Hexenstieg-Stempel-Postkarte holen wollte. Vom Start in Thale fehlte mir noch ein Stempelnachweis.

Also, das Wetter ist schön, der Tag noch frisch, also radele ich mal zur Roßtrappe und hoffe, der Weg bleibt auf der Höhe. Ein schöner Waldweg, natürlich wellig und ich komme genau an der Straßenkreuzung an, die ich schon kenne vom Autofahren. Auf schöner glatter Straße geht es flott dahin und bald bin ich an der Roßtrappe am Parkplatz.

Ich laufe nochmal vor zum Roßtrappe-Felsen und finde auch den Kasten mit dem Wanderstempel. Wunderbar, darüber freue ich mich sehr. Verweile lange an der Felsaussicht und erinnere mich an den Hexenstieg-Weg, der ganz unten an der schäumenden Bode entlang führte.

 

In Wernigerode kam ich dann erst am Abend an. Aber ich wollte schon noch etwas von der Stadt sehen und das hat sich gelohnt. So viele schön hergerichtete Fachwerkhäuschen, das ganze Zentrum ist eine Entdeckung und dann der Marktplatz mit dem Rathaus, das verschlägt einem glatt die Sprache. Wunderschön.

 

Nochmal trabte ich zurück zum Auto, hab mich bissl besser angezogen und ich bin nochmal in die Stadt zum Essen. In einem kleinen Restaurant gab`s Käsefondue plus Radler. Der große städtische Parkplatz gefällt mir so gar nicht. Ein anderer WoMo-Pilot rangierte dreimal herum, bis er einen guten Platz mit Sat-Empfang gefunden hatte! Puh!

 

Nee, da muß ich weg. Ich bin lieber zu meinem bekannten schönen Waldparkplatz Richtung Elbingerode gefahren. Da kam ich erst in der Dunkelheit an. Aber ich kannte mich ja schon aus.

 

Dienstag, der 05. Juni 2018

 

Kleines Atem anhalten in der Nacht, als ein Auto mich anblendete und kurz stoppte, aber dann doch weiterfuhr. Evtl. war es der Förster des Reviers.

Der Morgen war wunderbar, eine frische Wäsche im Bach und Frühstück am Holzsitzplatz.

 

Als ich am Vormittag wieder in Wernigerode ankam, stand da just eine der kleinen Touri-Bimmelbahnen am Parkplatz. Für 6 € „leistete“ ich mir die Fahrt zum Schloß, auf die 2 km bergauf hatte ich heute bei der Hitze keine Lust. Tucker, tucker gings bergauf.

 

Ich besichtigte das Schloß, das aus einer ehemaligen Burg im 19. Jh erweitert und angereichert wurde. Mit einem Audioguide war ich 2 Std unterwegs, die Räume waren prächtig hergerichtet, wunderbare Holzdecken, schöne Fußböden, die Wände in den Räumen überall anders gestaltet, z T mit sehr seltener Seiden-Stoffbespannung. Das Schloß hat eine tolle exponierte Lage auf dem Berg über Wernigerode und ist innen wirklich überraschend reich ausgestattet. Eine Wanderausstellung über tibetische Kunst- und Schmuck-Gegenstände, die alle einem religiösen Zweck der Abwehr von Dämonen und Gebetsritualen dienen, ergänzte die schöne Besichtigung.

 

Das Bähnle brachte mich wieder in die Stadt. Und nach einem Kaffee im Auto und startete zur Fahrt nach Dresden. Das Navi verschob die Ankunftszeit immer weiter nach hinten, offenbar ist es auf eine viel schnellere Reisegeschwindigkeit eingerichtet. Ob man das ändern kann auf meine durchschnittlichen 110 kmh?

 

Irgendwann kam ich an, Mutti kam mit Rollator runter und ich gab ihr gleich meine Schmutzwäsche mit. Geschlafen hab ich dann wieder an der Elbe am geduldeten WoMo-Platz.

Mittwoch, 06.06. bis Donnerstag, 07.06.2018

 

Die Tage waren geschäftig ausgefüllt mit Physiotherapie, Erdbeeren pflücken in der Mittagshitze und verarbeiten, Essen machen, Wäsche waschen und immerzu auf dem Trockner wechseln, Friseur suchen (sehr teuer im World Trade Center mit 50€!!).

Vati hat mir noch einen Essenswunsch erfüllt, rohe und gekochte Kartoffeln mit Quark vermischt + 2 Eier, alles zu Plinsen gebrutzelt, mit Apfelmus und gezuckerten Erdbeeren... einfach total lecker. Hmm.

Und am letzten Abend fanden wir noch eine Std Zeit, daß ich den Eltern über meine Hexen Stieg- Wanderung berichtet und Fotos gezeigt habe.

Endlich nach Mitternacht war ich in meinem Bett, viel zu spät natürlich, da ich ja um 5 schon losfahren will.

Freitag, den 08.06.2018

Halb 5 bimmelte der Handy-Wecker, anziehen und los gings schon zur Fahrt nach München/ Dachau.

 

Eine kurze Pause und halb 11 erst war ich in Dachau, obwohl es immer ganz zügig ging. so schnell ist man einfach nicht unterwegs mit dem großen WoMo, mehr als durchschnittlich 110 kmh fahre ich nicht. Und wieder Hitze.

 

In der Werkstatt von Dyck und Scharl hatte ich zwei kleinere Garantiereparaturen. Die Trittstufe war leicht verbogen. Kein Wunder bei meinen Gelände- Fahrten auf der Suche nach einem freien Stellplatz. Aber sie haben es auf Kulanz wieder funktionierend hinbekommen. Währenddessen habe ich mit Radel den schönen Karlsfelder Badesee gefunden.

Am Nachmittag kam ich wieder in Herrmannsdorf an, meinem Zeit-Zuhause-Stellplatz. Es ging gerade ein Gewitter nieder.

 

 

Was für tolle Wochen liegen hinter mir!Ich habe noch keinen Campingplatz aufgesucht und fast immer Super-Stellplätze gefunden.

 

Und ich habe so viele schöne Orte und interessante Leute kennen gelernt. Eine riesige Bereicherung für mich.

Deutschland ist schön !