Griechenland 2020 _ Teil 2_ unfreiwillige Verlängerung

Anfang März 2020

 

Unfreiwillig im Paradies:

 

empfinde ich das Paradies, das Wunderbare noch als solches, wenn ich unfreiwillig hier bleiben soll? Unter Bedingungen, die mir das Leben ermöglichen, aber keine Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit besteht.

Wenn zwar Umgebung, Natur und Wetter sehr sehr annehmbar sind, ich aber eigentlich hier weg möchte, in meine Heimat, da wo ich hingehöre, mich zu Familie und Freunden hingezogen fühle?

Und vor allem, wenn ich kein Ende der Situation sehe. Wenn ich mich meiner Freiheit, selbst zu entscheiden, beraubt fühle. Wenn ich das Gefühl habe, in der Politik nicht wahrgenommen zu werden.

 

Und hier ist die eigentliche Situation besser als meine Gefühle.

 

Ist also ein Paradies ein unbelebtes Neutrum oder sind es erst meine Einstellungen, die es dazu machen?


Im Folgenden ändere ich die Reihenfolge meiner Beiträge und versuche, stets das Aktuellste ganz oben auf dieser Seite darzustellen.


Bei unseren Spaziergängen in und rund um Methoni entdecken wir immer wieder auch noch unbekannte Ecken und Wege, bleiben an vielen Blüten stehen, gucken Tieren zu, schauen in die orthodoxen Kirchen hinein, wechseln ein par Worte bei den rar gewordenen Begegnungen. Der Ort ist wie ausgestorben, dabei ist heute am 25.3. Nationalfeiertag, an dem im Normalfall alle Griechen unterwegs sind und in Tavernen tafeln. Lediglich ein paar flatternde Fahnen künden vom Stolz der Griechen an den Beginn des Freiheitskampfes vor nunmehr 199 Jahren. Hoffentlich ist im kommenden Jahr der 200. Jahrestag zu feiern.

Zwei Tage vor der Ausgangssperre (ab 23.3.) hatten wir bei sommerlichem Wetter noch einen traumhaften Ausflug.

 

Eine halbe Stunde Anfahrt Richtung Tsapi, auf halber Bergstrecke eine Wanderung abwärts zum Strand „Megalo Marathi“.

Von oben guckten wir schon begeistert ins Strandrund hinein. Und erst unten sehen wir es....Wahnsinn!

Wiese, großer Sandstrand, heute fast windstill. Wir lagern nackt, genießen die Sonne und tauchen auch schon mal im türkisen Wasser unter, keine Wellen, das ist ein seltenes Glück.

Entspannung pur in diesen angespannten Tagen.

 

Glücklich wandern wir wieder bergauf zum Auto.

18.3. - 25.03.2020

 

Gestrandet mit Aufregung wegen der Corona-Pandemie

So etwas gab es noch nie, auch im Westen der vielgepriesenen Freiheit hätte sich keiner vorstellen können, daß nunmehr europaweit Ausgangssperren an der Tagesordnung sind.

Da war die angebliche Unfreiheit der DDR ein Klacks dagegen.

 

Ich denke neu über den Begriff „Freiheit“ nach. Wer hatte da wohl definiert, daß „Freiheit Einsicht in die Notwendigkeit“ sei?

 

Über die Handy-Notfall-Warnmeldungen erfahren wir, daß nun seit Montag auch in Griechenland Ausgangssperre herrscht. Bei jedem Gang nach draußen soll man den Ausweis und ein Papier mit sich führen, auf dem dokumentiert ist, wozu dieser Weg dient. Einkaufen, Arzt, Apotheke und physische „Ertüchtigung“ sind weiterhin erlaubt.

Gilt das auch, wenn wir zu einer Wanderung zu zweit fahren wollen oder müssen wir ortsgebunden bleiben?

 

Noch immer fällt es mir sehr schwer zu akzeptieren, daß Griechenland mit seinen extrem geringen Corona-Fällen solch drastische Maßnahmen ergreift. In ganz Messenien gäbe es derzeit drei Fälle = Ärzte in Kalamata. Wozu also sollen wir hier im Dorf am Meer an`s Haus gefesselt bleiben und uns strafbar machen, wenn wir auf einsamen Wegen wandern oder an einem einsamen Strand lagern? Ich kapiere es nicht und werde ob dieser Inakzeptanz unruhig bis wütend.

 

Noch dazu hat Hans gestern herausgefunden, daß die Sperrung der Fähren ab 16.3. eine rein griechische Entscheidung war, Italien hat erst ab 19.3. die Häfen gesperrt. Wo liegt die Logik, daß Griechenland die Ausländer nicht ausreisen lassen wollte? Zumal alle Tavernen und nun auch die Hotels, die Autoverleiher, kleine Läden, Friseure usw. geschlossen sind.

 

Ein Argument, was mich neben der Einsicht in die virologisch-medizinischen Tatsachen immer wieder überzeugt, ist, daß ich speziell in meiner WoMo-Wohnung im jetzt wieder winterlich kalten Deutschland wahrlich unangenehmer leben würde. Ausgangssperre hat Bayern auch. Hier ist es wenigstens vom Wetter her super angenehm. Und unsere einfache kleine Wohnung hier ist ein Tanzsaal im Vergleich zum Platz im WoMo.

 

Aber meine Freiheit ist beschnitten, die ich in meinen Reisejahren als höchstes Gut in Europa empfunden habe.

Und wie lange soll dieser Zustand bleiben? Wann ist ein Ende in Sicht? Das würde es mir leichter machen.

 

Ach wie gut, daß ich einen sehr gesprächigen, lustigen, immer wieder aufmunternden Partner hier an meiner Seite habe. Er meistert die Situation viel besser als ich.

 

Wir verbrauchen unsere Früchte vom letzten Kalamata-Markteinkauf, die für zuhause vorgesehen waren. An Vitaminen mangelt es uns wahrlich nicht. Aus den Zitronen presse ich den Saft und gefriere ihn ein.

 

17.03.2020:

 

Nun wissen wir es: wir sind gestern, nachdem die Autos fertig bepackt waren, nicht zum Hafen nach Patras gefahren. Mehrere Telefonate mit der Fährgesellschaft, der Athener Botschaft, dem ADAC ( der ziemlich uninformiert war) ergaben NICHTS. Die Fähren fahren, aber nur mit LkW`s , wir als private Reisende dürfen nicht mit.

 

Was die griechische Regierung dazu bewogen hat, ausländische Urlauber nicht ausreisen zu lassen, ist mir unklar. Hier versagt die EU meines Erachtens völlig, jeder Staat schließt seine Grenzen ohne Abstimmung miteinander. Ich bin sauer.

Trotzdem wir fast im Paradies sind, wir sind hier festgesetzt, haben keine Aussicht, wann dies wieder endet und wir nach Hause fahren können.

 

Über den Vorschlag der Botschaft, das Flugzeug zu nehmen und das WoMo hier zu lassen, kann ich nur staunen. Erstens wohne ich darin und zweitens läßt doch keiner solche Werte auf unbestimmte Zeit zurück. Aber wir sind nicht die einzigen Gestrandeten hier, immerhin müssen wir nicht zur Arbeit. Alles andere muß warten.

 

Zum Glück können wir die Wohnung in Methoni noch nutzen, denn Hotels sind geschlossen oder sollen ab kommender Woche alle schließen. Wo bleiben dann die Gestrandeten, die keine Wohnung und kein WoMo haben?

 

Mir scheint, Panik überwiegt auch in höchsten Kreisen und Griechenland könnte doch froh sein, wenn alle Urlauber raus wollen.

 

Naja, nun harren wir hier aus und genießen die Sonne, die Bäume treiben aus, das Meer glitzert. Wir haben zu essen, es geht uns gut.
Wir versuchen, viel zu lachen.

 

Möge es so bleiben.

Urlaubsverlängerung bis 2021! ...bekam ich heute eine whatsapp von Freunden . Hurra.

März 2020

 

Corona oder Koroneiki ?

Die Aufregung um den Corona-Virus hat uns hier ebenfalls erfasst, auch wenn ich mich nicht vereinnahmen lassen will und alles für total übertrieben halte.

 

Aber auch hier hat der Staat reagiert, die Faschingsumzüge wurden abgesagt, das hat aber die Menschen nicht davon abgehalten, am Faschingssonntag unterwegs zu sein. Alle gehen aus, zum Essen und am Montag, dem „reinen Montag“ steigen am Strand die Drachen hundert Meter in die Lüfte. Herrlich, es ist wie ein Frühlingsfest, eigentlich aber laut kirchlicher Tradition der Beginn der Fastenzeit.

 

In der Bäckerei gab es am Faschings- Sonntag nur eine einzige Brotsorte, ein großer ovaler Fladen mit Sesam bestreut.

Nichts desto trotz, das Grillrestaurant Onondas verkauft auch weiterhin seine Souflakis, riesigen Koteletts und gegrillten Hähnchen.

 

....doch nun wieder zurück zum Corona:

 

Wir machen uns nach der Sperrung von ganz Italien richtig Sorgen um unsere Heimreise.

Hans will am Montag, 16.3. schon mit der Fähre nach Ancona und dann geht es ja durch Italien. Die Fähren fahren zZ planmäßig. Ich warte mal gespannt ab, ob er gut durchkommt.

 

Meine Fähre von Patras nach Ancona ist für den 01.04. gebucht. Wegen des so freudig erwarteten Besuchs meiner Freundin hatte ich den letztmöglichen Termin gewählt.  Jetzt hat sie aber abgesagt, verständlich, aber extrem schade. Ich bin traurig.

 

Und mir wird nun ganz blümerant, wenn ich an die Heimreise denke. Wie soll denn das durch Italien gehen? Und eigentlich wäre es nun doch besser, etwas früher zuhause anzukommen, um Arzttermine wahrzunehmen. Aber sind die nicht eh überfordert zur Zeit?

Als Alternative bliebe noch der Landweg über den Balkan zurück nach Deutschland, natürlich viel weiter zu fahren. 2,5 Tsd km. Dazu brauche ich mehr Zeit.

 

Ich muß bald eine Entscheidung fällen, aber keiner kann sagen, was in Italien los ist und ob weitere Länder gesperrt werden, gestern war von Slowenien die Rede.

Das beunruhigt mich jetzt sehr.

 

Aktualisierung 15.03.:

Der Überlandweg ist gesperrt, kein Land läßt mehr die Einreise zu. Wir hatten auf die Stabilität der Fährverbindungen gehofft, Hans ist ja super optimistisch. Und ich hatte mich entschieden, nun auch am 16.3. mit ihm zu reisen. Die Durchfahrt durch Italien und Österreich sollte klappen, wenn wir auf der Autobahn bleiben.

 

Aber heute Abend dann die wirklich aufregende Meldung, daß die Fähren angeblich ab morgen nur noch LkW`s mitnehmen würden, keine Personen. Was heißt denn das? Müssen wir hier bleiben? Wie lange soll denn das noch gehen? Ist das denn wirklich gerechtfertigt?

 

Eigentlich könnte man bei über 20°C, strahlend blauem Himmel hier im Paradies sein, nur es hat keine Taverne, kein Cafe mehr offen, eine Ruhe ist das, völlig ungewohnt. Ich kann die Nachrichten schon nicht mehr hören. Und doch ist es wie ein Sog. Man meint, jede Stunde etwas Neues, Besseres zu erfahren. Fehlanzeige.

 

Unserem Vermieter Giannis haben die erwarteten Erasmus-Gruppenreisen von 50 jungen Leuten über 4 Monate hinweg abgesagt. Er ist mitten in der aufwändigen Renovierung des Hauses hier.... wo soll das hinführen? Die Wirtschaft nimmt enorme Schäden, die kleinen Leute verarmen...ist das noch gerechtfertigt?

 

Und wir werden womöglich zwangsweise hier im Land bleiben müssen.

Morgen wissen wir mehr.